17. Januar 2016

*rosa Schlunzen Sofa* Interview mit Arno Strobel

Es ist wieder soweit!! Schon seit 3 Monaten dümpelt ein Interview auf meinem Handy vor sich hin und wartet darauf, endlich getippt zu werden! Da heute ein grauer, nasser Samstag ist, an dem ich ENDLICH!!!!! (seit gefühlten 3 Monaten) mal GAR NICHTS vorhabe, nutze ich heute die Gunst der Stunde, und hänge mir ARNO STROBEL auf die Ohren, um euch an dem Spaß teilhaben zu lassen, den wir auf der Messe mit dem schönsten Autor des Universums hatten!




Ich setze Arno heute also virtuell auf unser rosa Schlunzen-Sofa. Machs dir bequem - könnte länger dauern ;) 


Schlunzen: ARNO!!!!! Wir sind so aufgeregt... Wie so ein paar junge Teenies!

Arno: Ohweia...

Schlunzen: Wir sind nämlich deine Groopies!!

Arno: Ach, ernsthaft??

Schlunzen: ja!

Arno: Find ich toll! *großes Gelächter*

Nadja: Da kommen wir doch schon super zur ersten Frage... Hat man als Autor eigentlich wirklich sowas? So echte Groupies?

Arno: Ja... Also schon so!Tatsächlich. Auch so richtig nervige. 
Es gibt schon welche, die....

*und dann kam Carina mit dem Sekt.... * Daraufhin hatArno uns erstmal eine Einführung gegeben, an welchem Stand es WANN, WAS zu trinken gibt. Nun wissen wir dass dtv sehr leckeren Wein verteilt, und Fischer guten Sekt hat :)

Steffi: Zurück zu den Groupies. Das war tatsächlich eine unserer offiziellen Interviewfragen an dich.

Arno: Ja... wie gesagt... die gibt es. Aber das ganze hat auch immer zwei Seiten. Denn das heißt natürlich auch, dass man gute Arbeit macht und die Bücher gerne gelesen werden.

Steffi: Aber denkst du nicht, dass das vielleicht auch... an deiner Person liegt?? :)

Arno: Nebensächlich ;) Ich denke im Vordergrund steht wiklich die Tatsache dass man eine Person ist, die in der Öffentlichkeit steht, den man immer wieder überall sieht, der auch mal auf Bühnen steht, der öfer mal in den Zeitungen steht und ich denke das macht viel aus. 
Ich kann mich noch dran erinnern von früher, als ich angefangen habe zu lesen - und damit hab ich ziemlich früh angefangen - da waren grade auch männliche Autoren wirklich was ganz besonderes. Da war die Person allerdings zweitrangig.

Steffi: Also nur dass du es weißt... Es könnte passieren, dass diverse Messe-Berichte von Bloggern auftauchen, in denen steht dass ich gesagt habe, ich wäre gerne die Messe-Geliebte von Arno Strobel. 

Arno: HAHAHAHAHHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA

Nadja: Also wir haben festgestellt, wir stehen halt einfach auf alte Männer.

Arno: OHH!!! DANKESCHÖN! na... DAS war jetzt ja WIRKLICH ein tolles Kompliment. Vielen Dank!

Steffi: Ich habe gestern beim Meet and Greet neben Sebastian Fitzek gesessen und ihm gesagt, dass ich gerne die Messe-Geliebte von Arno Strobel werden wollte, aber wenn er schon mal da so sitzt... Er wäre ja auch ein schöner Mann und ich könnte da vielleicht doch auch nochmal umschwenken.

Arno: Da hat Sebastian vermutlich ähnlich gelacht wie ich eben, oder? :)

Steffi: Ja... Er sagte ich solle doch lieber dich fragen, seine Frau würde schließlich mit im Raum sitzen. 

Steffi: So... nun aber doch mal wieder zurück zum Ursprung. Was erzählst du uns denn zu deinem neuen Buch, was bei Loewe erscheinen wird?

Arno: Gut. Also was ich direkt schon mal sagen kann: Es wird anders. Ganz anders als die beiden Vorgänger. Weil.... Ich anhand der Rückmeldungen einfach gemerkt habe, ich habe es zu gut gemeint. Zu gut gemeint mit runterfahren. Oder anders gesagt, ich habe die Lesereife glaube ich unterschätzt. Das habe ich gemerkt, und dem habe ich nun Rechnung getragen, in dem ich das neue Buch anders geschrieben habe. Das neue Buch ist mehr wie ein Erwachsenen-Thriller geschrieben. Sowohl vom Stil, als auch von der Handlung her. Es ist komplexer und es ist auch mehr auf die Psychoschiene gelegt. Es spielt auf einem Campus, also an einer Uni, daher sind die Protagonisten sehr jung. Wenn man diese austauschen würde, könnte es auch ein Erwachsenen-Thriller sein. Es wird definitiv anders als die ersten beiden. 
Es geht um eine junge Frau, um eine Studentin, die beobachtet, wie ein beliebter Dozent eine handgreifliche Auseinandersetzung mit einer Kommilitonin hat. Und diese ist am nächsten Tag tot. Sie zögert sehr lange, bringt letztlich dann aber doch an die Öffentlichkeit dass sie das gesehen hat und erntet dafür nur Hass und Feindseligkeit, weil dieser Dozent wie gesagt der beliebteste überhaupt ist. 
Das ganze spitzt sich immer weiter zu, sie wird gemobbt und gedisst. Es taucht ein Journalist auf, der eine alte Geschichte (E-Short "Ich diss dich" von Arno Strobel) wieder ans Tageslicht bringt. Es geht ziemlich krass zur Sache und sie ist sehr schnell an dem Punkt, an dem sie selbst nicht mehr weiß ob sie das wirklich gesehen hat oder nicht. Sie zweifelt an sich selbst, und diese Feindseligkeit und der Hass tut natürlich sein übriges dazu. 
Es nimmt 2 bis 3 Wendungen immer zwischendurch, die Auflösung ist so geplant, dass man nicht vorhersehen sollte was am Ende wirklich passiert ist und es wird auch weitere Tode geben. 

Steffi: Wie ist es von der Länge her? Wird dieses Buch auch länger als die anderen?

Arno: Ja. Es wird definitiv über 300 Seiten haben.

Steffi: Ich muss sagen, dass ich von den beiden anderen Jugendbüchern auch nicht so begeistert war. Ich kenne deine anderen Bücher von Fischer und ich hatte natürlich eine gewisse Erwartung, aber die wurde leider nicht so befriedigt. Es war nicht furchtbar schlecht, aber das hier war einfach ganz anders, als das was ich erwartet habe.

Arno: Ja, das ist das Problem was man hat, wenn man sich selbst etwas auferlegt und runterschraubt und auf Biegen und Brechen anders schreiben will als man es sonst tut. 
Die Länge war allerdings mit der vorherigen Verlagschefin auch so schon abgesprochen. Da hieß es ganz klar, dass die ersten beiden Bücher nicht über 200-220 Seiten haben sollen, und das reicht im Normalfall auch nicht, um eine Geschichte vernünftig entwickeln zu können. Schauen wir mal, was im Frühjahr mit dem dritten dann sein wird. 

Nadja: Wie gehst du mit den negativen Kritiken um?

Arno: Es hängt davon ab, wie sie angebracht sind. Es gibt verschiedene Arten von Kritiken. Es gibt zum einen die, die sagen: Ich war von den Büchern entäuscht, WEIL... - das sind dann Dinge, die ich mir durchlese und auch mit auf meinen weiteren Weg nehme, wie ich eben schon gesagt habe. Wenn das vermehrt auftaucht und ich merke dass das keine Einzelmeinung ist, dann nehme ich das schon ernst, sehr ernst sogar, udn richte mich dann auch danach. 
Es gibt aber auch die Kritiken, diese typischen Amazon-Kritiken. Da hast du manchmal innerhalb von einem Tag 7 oder 8 ein-Sterne-Rezensionen. Jeweils immer die einzige Rezension, die derjenige jemals geschrieben hat. Wortlaut immer "der größte Mist, das schlechteste Buch was ich je gelesen habe". Das kann ich nicht ernst nehmen und auch nicht drüber nachdenken. Das ist einfach scheiß, udn da hab ich kein Bock drauf. Das interessiert mich dann auch wirklich nicht. 

Steffi: Es ist ja auch grade wieder ganz aktuell mit Rezensionsklau und gekauften Rezensionen. Kannst du bei diesen gehäuften Meldungen deine Rezensionen überhaupt noch ernstnehmen?

Arno: Ja. Ich kann das selektieren. Ich habe da auch ein ganz klares Selektionskriterium. Und zwar: Amazon, und nicht Amazon. Ich kann bei Amazon weder gute noch schlechte Kritiken ernst nehmen, solange Amazon zulässt, dass jemand mit einem Fake Acount anonym irgendeinen scheiß dort postet. Daher scheidet dieses Kritikmerkmal für mich aus. Ich lese sie mittlerweile auch nicht mehr. Ich weiß einfach, dass mindestens die Hälfte all dieser Kritiken - sowohl positiv als auch negativ - gefaked ist. Wenn Amazon es irgendwann schafft, dass jemand mit seinem Namen für das einstehen muss, was er dort schreibt - so wie ich das schließlich auch tue als Autor..... Denn genau das tue ich! Ich stehe mit meinem Namen für das ein, was ich schreibe. Und seltsamerweise können Kritiker nicht mit Kritiken umgehen! Da schreibt jemand was, und wenn ich es als Autor dann auch nur wagen sollte, irgendetwas dazu zu sagen, dann geht ein Shitstorm los ohne Ende! "Boah - der verträgt keine Kritik!" Der schönste Satz, den ich jemals gelesen habe.....: Da hat jemand eine super negative 1-Sterne-Rezension bei Amazon veröffentlicht. Eine lange. Aber in einer Art und Weise, das ging echt gar nicht. Ich habe sie gar nicht kommentiert. Aber jemand anderes hat sie kommentiert - öffentlich auf facebook. Nämlich dass man sich nach dieser Rezension doch die Frage stellt ob derjenige das Buch überhaupt gelesen hat. Und dann hat derjenige sich aufgeregt ohne Ende. Und dann hat er einen wunderschönen Satz gesagt:
"Ich sehe überhaupt nicht ein, mir meine Kritik kaputtmachen und schlechtreden zu lassen." Wo ich mir einfach denke: "Und was hast du mit meinem Buch gemacht? Ohne es vielleicht gelesen zu haben?"
Und das möchte ich als Autor einem Kritiker mit auf den Weg geben: Wenn euch mein Buch nicht gefällt ,JA, schreibt darüber! Bitte! Ich nehme es ernst als Autor. Wenn es vernünftig begründet ist. 
Aber bitte lernt auch mal mit Kritiken an euren Kritiken zu leben!
Seltsamerweise sind Kritiker dünnhäutiger als Autoren mittlerweile.

Nadja: In dem E-Short ging es ja auch darum, dass dieser Shitstorm über Facebook gelaufen ist. Spielt das in dem Buch dann auch nochmal eine Rolle?

Arno: Die Vergangenheit wird immer wieder eine Rolle spielen, so dass auch jemand der den E-Short nicht gelesen hat, zumindest im Groben weiß worum es geht. Daher wird auch das Thema Facebook immer wieder aufgegriffen.

Nadja: Wie siehst du das denn selbst mit Social Media? Bist du gerne selbst in sozialen Netzwerken unterwegs, oder siehst du das eher kritisch?

Arno: Ich sehe es eher als zweischneidiges Schwert. Ich finde, es ist eine super gute Sache, wenn man vernünftig damit umgeht. Es ist wie mit Fernsehen, wie mit Computerspielen, wie mit allem. Es ist gut, solange man weiß wie man damit umzugehen hat. Und solange Kinder und Jugendliche diese Reife noch nicht haben, muss einer da sein der die Reife hat und das ganze ein bißchen lenkt, so wie ich das mit meinen Kindern auch mache. Also sowohl mein 12-jähriger, als auch meine fast 14-jährige sind beide noch nicht bei Facebook vertreten, weil das für mich vor 14 überhaupt nicht in die Tüte kommt. Da gibt es auch keine Diskussion. Ich bin selbst sehr aktiv bei Facebook und ich sehe links und rechts was da teilweise abgeht. Ich traue einer 12-jährigen Seele einfach nicht zu, damit klarzukommen.
Aber es ist trotzdem eine sehr gute Sache, besonders auch für mich als Autor, um auf Augenhöhe in Kontakt mit Leserinnen und Leser zu kommen, was mir sehr wichtig ist. Aber man braucht einfach eine gewisse Reife um damit umzugehen.

Nadja: Also guckst du dir schon aktiv an, was auf Facebook so über dich gepostet wird?

Arno: Ja, natürlich, das schaue ich mir sehr genau an. Ich beantworte auch jede Nachricht und jede E-Mail die ich kriege. Es kann schon mal sein dass es etwas länger dauert, aber genau DAS ist Kontakt zu Leserinnen und Lesern. Und der sollte einem auch sehr wichtig sein.

Steffi: Hast du noch mal einen rein privaten Account, den du dann auch nur für dein privates Umfeld nutzt?

Arno: Ja, ich habe einen privaten Account, auf dem ich nichts poste was mit Schreiben zu tun hat, auf dem ich allerdings auch sonst wenig poste, das muss ich schon gestehen. Es ist einfach so, die offizielle Facebookseite bindet einiges an Zeit. Da kommen auch sehr viele Nachrichten rein, die ich wie eben schon gesagt auch gerne möglichst alle beantworten möchte. Ausserdem hab ich mittlerweile auch recht viel zu tun, ich schreibe aktuell drei Bücher pro Jahr, oder besser gesagt zweieinhalb, denn eins schreibe ich ja mit Ursula zusammen. Ich bin sehr sehr viel unterwegs. Ich hatte allein in diesem Jahr über 70 Lesungen gehabt. Wo soll da noch Raum sein, um sich um noch etwas zusätzliches zu kümmern? Das geht ja nicht.

Steffi: Wenn du so viel unterwegs bist, wie ist das mit deinem Familienleben? Leidet das nicht exrem daruner?

Arno: Ich würde nicht sagen, dass es leidet. Ich würde aber sagen: wir haben uns arrangiert. Es ist ja nicht so, dass das von einem Tag auf den anderen plötzlich von 0 auf 100 war. Es war ja eher eine Geschichte, die sich langsam entwickelt hat. Es ist losgegangen mit 1-2 Lesungen, dann kam noch eine, und so wurde es immer mehr, mehr mehr. Da stellt man sich seitens der Familie und der Kinder auch einfach immer mehr darauf ein. Nach und Nach. Mittlerweile ist es so, wenn ich unterwegs bin höre ich die ersten 1-2 Tage von den Kindern fast nichts; ich telefoniere regelmäßig mit meiner Frau. So ab dem dritten Tag höre ich dann schon mal im Hintergrund "Ist das Papa? Ich möchte auch mit Papa sprechen! Papa, wann kommst du nach hause?".3. /4. / 5. Tag wird es dann schon happig, da kommt es dann doch schon öfter vor, dass sie auch von selbst anrufen und fragen "Papa, wie lange bist du noch weg? Wann kommst du wieder?" Und wenn ich dann nach hause komme ist es auch so, dass ich am 1. und 2. Tag quasi ständig Schatten um mich habe und sie mir nicht von der Seite weichen. Wenn ich dann allerdings eine Woche zuhause bin, dann sagt mein Sohn auch shcon mal am Frühstückstisch "Papa, wann musst du denn wieder weg?"
Wie gesagt, wir haben uns da arrangiert. Sie kennen es ja auch nicht mehr anders. Es hat auch hier zwei Seiten. Zum einen ist es vielleicht negativ für sie, wenn ich dann lange weg bin. Zum anderen ziehen sie aber natürlich auch positives daraus, sie finden das was ich mache ja auch toll! In der Schule werden auch öfter Bücher mitgebracht und sie werden dann gebeten die doch zum signieren mitzunehmen. Oder wenn ich mal im Fernsehen bin, dann versammeln die sich alle bei uns zuhause und sie erzählen dann ganz stolz "Mein Papa ist im Fernsehen!"
Das positive überwiegt aber.

Steffi: Also hast du nicht das Bedürfnis nochmal etwas zurückzutreten aktuell?

Arno: Das Bedürfnis habe ich manchmal schon wenn ich lange oder oft nacheinander weg bin, wenn ich mal wieder in einem Hotelzimmer wachwerde und denke "ja.... Hotel... aber wo bin ich eigentlich überhaupt?" Das passiert mir aktuell öfter.
Oder in Schwerin ist mir letztens was passiert... Da fragte die Veranstalterin mich "Waren Sie schon mal in Schwerin?" und ich sagte: "Nein, bisher war ich noch nicht hier, aber ich habe vor mir die Stadt morgen früh anzuschauen bevor ich weiterfahre, ist ja sicher eine schöne Stadt." Dann war die Veranstaltung und nach der Veranstaltung gings ans Signieren. Die Veranstalterin saß neben mir und es kam eine ältere Dame und sagte "Ach Herr Strobel, es ist so schön, jetzt hab ich sie für dieses Jahr schon zum zweiten Mal in Schwerin gesehen!"
Das sind dann so Sachen wo ich mir denke: Vielleicht solltest du doch darüber nachdenken ein bisschen zurückzufahren....
Aber es gehört ja auch einfach dazu mittlerweile. Du kannst als Autor heute nicht mehr sagen "ich mach nix mehr." Mit schreiben allein ist es nicht getan.

Steffi: Naja, es gibt ja auch Autoren, die lesen überhaupt nicht. Wir haben vorgestern ein Interview mit einem sehr bekannten und erfolgreichen Jugendbuchautor geführt, der sagt er liest gar nicht. Er kann das nicht und er will das nicht, und damit hat sich das für ihn erledigt. Deswegen ist er aber nicht weniger erfolgreich.

Arno: Das finde ich sehr vernünftig. Wenn jemand sagt er kann das einfach nicht, dann ist es wirklich besser es zu lassen. Ich mache Veranstaltungen wahnsinnig gerne und ich würde behaupten, ich mache sie auch sehr gut. Mir macht es einfach Spaß.
Es gibt aber einige Kollegen die das nicht können, die kriegen Herzrasen und es macht ihnen richtig Stress, die haben Lampenfieber. Ich hab das nicht - zum Glück!
Und es gibt auch Kollegen, die können zwar super schreiben, aber die können einfach nicht lesen.

*Schlunzen heben Arno für seine unglaublich tolle Stimme in den Himmel und betonen mehrfach wie gerne sie ihn sprechen und lesen hören*

Arno: Ich hab es echt oft, dass - besonders auch Männer - nach der Lesung zu mir kommen und sagen "Mensch Herr Strobel, ich wollte das gar nicht. Meine Frau hat mich hierher geschleift. Ich war noch nie auf ner Lesung und dachte immer das ist so ne öde Veranstaltung. Aber das war so toll, das mach ich glatt nochmal!"
Wenn dann aber Autoren lesen, die es einfach nicht können, dann machen sie Negativwerbung. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen Autoren.
Wenn so jemand der noch nie auf einer Lesung war, dann einen Autor erwischt der nur stammelt und rumpiept und dem man anmerkt dass er einfach Angst hat und die Leute nicht unterhalten kann, dann wird der NIE WIEDER auf eine Lesung gehen. Auch nicht auf meine.

Ich finde es sehr sehr gut, wenn jemand das gut kann und dann eine Lesung macht - der ist positive Werbung für alle Autoren. Aber ich finde es genauso gut, wenn nicht sogar noch besser, dass man erkennt, wenn man etwas nicht kennt, und es dann auch sein lässt.

Steffi: Also hängt aber der Erfolg doch nicht nur von den Lesungen ab, denn seine Bücher laufen ja auch problemlos.

Arno: Ja, ich denke meine Bücher würden auch laufen, wenn ich nicht lesen würde. Aber ich machs gerne. Und zum zweiten kannst du es nicht an DER einzelnen Lesung festmachen. Wenn ich dieses Jahr 50 Lesungen mache, und nächstes Jahr wieder 50 Lesungen mache und ich habe bei jeder Lesung zwischen 60 und 120 Leuten sitzen, dann sind das für mich alles Multiplikatoren, die darüber sprechen. Das summiert sich einfach. Im Laufe der Jahre macht das schon was aus. Die Masse machts da.

Steffi: Wer organisiert die Lesungen?

Arno: Das macht alles der Verlag. Bzw. die Verlage. Ich bin ja mittlerweile bei 3 Verlagen. Loewe organisiert überwiegend Schullesungen, die auf keiner Website auftauchen. Rowohlt Wunderlich organisiert die Lesungen mit Ursula. Und Fischer halt die für meine Thriller bei Fischer.
Diese Woche hatte ich Montag, Dienstag, Mittwoch jeweils 2 Schullesungen vormittags gehabt. Mittwoch ging die letzte Lesung bis 13 Uhr. Dann hab ich mich ins Auto gesetzt, bin hier runter gefahren nach Frankfurt 400 km, ins Hotel, schnell geduscht, umgezogen und dann hatte ich um 19 Uhr Premierenlesung mit Ursula zu Fremd. Und seitdem bin ich hier unterwegs.
Im November hab ich eine Aktion, da bin ich dann drei Tage in Lauf, das ist in der Nähe von Nürnberg, da hab ich dann pro Tag vier Lesungen, jeweils 3 Schullesungen vormittags udn eine Abendlesung. Das ist Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Freitag nach der letzten Lesung um 13 Uhr hab ich dann 3 Lesungen gemacht. Da muss ich dann so schnell wie möglich nach Nürnberg zum Flughafen, um 15 Uhr geht mein Flug nach Berlin, da habe ich dann abends um 19 Uhr eine Lesung in Berlin. Das ist purer Stress, echter Stress! Aber mir macht das einfach Spaß, das ist total positiver Stress für mich.

Steffi: Wieso schreibst du jetzt in 3 verschiedenen Verlagen? Hättest du das Buch mit Ursula zusammen nicht auch bei Fischer veröffentlichen können?

Arno: Ja. Hätte ich. Aber Wunderlich hat uns die besten Konditionen gemacht. Das ist eine rein wirtschaftliche Rechnung. Es ist ja nicht so, wir schreiben das Buch für Wunderlich. Wir haben das Buch angefangen, wir haben die ersten 100 Seiten geschrieben, dann haben wir eine Leseprobe rausgezogen und das unseren Agenten gegeben. Die haben dann ein offenes Angebot an erst mal 10 Verlage gegeben, das war vormittags um 10. Nachmittags um 13 Uhr wars weg. Natürlich wollten die Verlage das alle haben, weil da ja auch zwei bekannte Namen dann auf dem Cover stehen. Das ist alles eine Frage der Konditionen. Es geht nicht nur darum wieviel Geld wird ad hoc bezahlt, sondern auch was wird dafür gemacht, wie ist das Marketing, was ist der Verlag bereit dafür zu investieren? Und da hat Wunderlich einfach die besten Konditionen geboten.


Wie es weitergeht, erfahrt ihr in unserem zweiten Teil des Interviews, das in den nächsten Tagen hier erscheinen wird. Ich habe das ganze etwas gesplittet, da das Interview XXL doch etwas länger wurde als geplant :)

Welche Fragen würdet ihr Arno Strobel stellen?  :)

Kommentare:

  1. Ich war im letzten Jahr auf der Lesung von Strobel & Poznanski.. Mein Freund wurde mitgeschleppt - ich glaube, er war eher weniger begeistert im Vorfeld. Dann hat er sich die ganze Zeit kaputt gelacht bei der Lesung und auf der nach Hausefahrt gestrahlt und meinte: "So was hatte ich echt nicht erwartet". Die Lesung war aber auch einfach super gemacht von zwei sehr sympathischen Menschen :)

    Liebe Grüße
    Meiky

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    1. Dann hat Arno mit seiner Aussage ja nicht gelogen :) Schön, dass es dir gefallen hat!
      LG

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  2. Ich habe das schon sehr oft erlebt, wie gut oder schlecht Lesungen sein können, wenn der Autor es kann - oder auch nicht. Mit der Zeit merkt man sich aber die Autoren, die lesen können - und zu den anderen geht man irgendwann nicht mehr. Und ja, ich finde auch, dass es Negativwerbung ist, denn wenn ich mich gut unterhalten gefühlt habe, dann bin ich auch eher bereit, das Buch noch vor Ort zu kaufen und mitzunehmen :).

    Liebe Grüße
    Ascari

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