19. Januar 2016

*rosa Schlunzen Sofa* Interview mit Arno Strobel - Teil 2



Heute gibt es den zweiten Teil des Interviews mit Arno Strobel :) 
*HIER* findet ihr den ersten Teil.
Viel Spaß :)

Nadja: Kam die Idee zu "Fremd" von Ursula und dir?

Arno: Ja. Die Idee kam natürlich von uns. Die Idee kam so, dass wir am Anfang als wir angefangen haben zu schreiben, überhaupt nicht mit Blick auf eine Veröffentlichung geschrieben haben. Das war Just for Fun. 
Wir haben uns durch Loewe kennengelernt. Wir haben uns vor 2 Jahren bei der 150-Jahr-Feier von Loewe kennengelernt. Natürlich kannten wir uns vom Namen und vom Sehen her. Dort haben wir uns dann aber das erste mal miteinander unterhalten. Nach der Feier haben wir uns noch in eine gemütliche Bar gesetzt und ein Paar Gläser Wein getrunken und haben übers Schreiben geredet. "Wie machst du das, und wie gehst du jenes an?" etc. - wie man das halt so macht, wenn man sich unter Auroten unterhält. Es ist immer interessant, wie andere Autoren diverse Projekte angehen. Da kamen wir dann untereinander auf die Frage, ob man sich vorstellen könnte mit jemand anderem zusammen ein Buch zu schreiben. Und wir haben beide gesagt: NEIN! Auf GAR KEINEN Fall!
Weil... Plötzlich soll da jemand anderes sein, der mir in meine eigenen Gedanken - in meine Geschichte - reinredet, Nein. DAS geht nicht.


Damit war das auch erstmal erledigt. Wir haben dann noch 2-3 Gläschen Wein getrunken und über alles mögliche geredet. Und plötzlich sagte Ursula: "Also nochmal um das Thema von eben nochmal aufzugreifen. Also wenn man sowas überhaupt irgendwie angehen würde, dann NUR... so und so... Also es müsste auf jeden Fall eine Geschichte aus zwei Blickwinkeln sein, so dass jeder quasi seine eigene Geschichte erzählen kann. Und besonders toll wäre es, wenn beide im Präsens schreiben würden - dann wäre man ja dichter dran, und...." Und so waren wir plötzlich wieder mitten im Thema. "Ja, aber worüber könnte man denn... und wie müsste die Geschichte aus zwei Blickwinkeln aussehen.... und.... ja, und da wäre dann... neee..... ach quatsch.... aber warte mal, hier... das würde doch super funktionieren." - "ja... würde funktionieren." - "aber neeeee - natürlich würden wir das NIE machen!"
Und gegen Ende des Abends sagte Ursula: "weiß du was... das lässt mir keine Ruhe. Ich schreibe jetzt einfach mal ein Kapitel, und dann schick ich dir das. Und dann guckst du einfach mal, ob du darauf aufbauen könntest."
Und drei Tage später hatte ich das erste Kapitel. Das waren 8 Seiten. Und mir fiel tatsächlich auch sofort was darauf ein. Und dann hab ich das zweite Kapitel geschrieben und ihr zurück geschickt. Darauf kam dann kurz später eine E-Mail von ihr und sie sagte "wow. das ist echt geil. weißt was, ich häng mal noch eins dran..."
So ging das dann hin und her und nach ein paar Wochen hatten wir 80 Seiten. Und dann haben wir festgestellt, die Story ist so geil, das hat sich so klasse entwickelt, das MUSS man fertig schreiben. 
Und aktell schreiben wir grade am zweiten. 

Nadja: Wir das dann eine Fortsetzung von Fremd?

Arno: Nein. das wird etwas komplett anderes. Also die Story wird komplett anders. Der Stil wird wieder der gleiche. Die ersten Rückmeldungen die wir bis jetzt erhalten haben, waren total begeistert. Auch der Verlag ist total begeistert. Damit haben wir die Messlatte schon sehr hochgehangen. Jetzt war das was neues, es war einfach einfach zwei Personen zu nehmen - und dann auch noch ein Paar. Das war für uns schon eine besondere Art eine Geschichte zu erzählen. 
Jetzt haben wir überlegt was wir als nächstes nehmen wollen, und dann war es für uns naheliegend ein Ermittlerduo zu kreiren. Mann und Frau. Und wir erzählen den ersten Fall - oder erstmal DEN Fall, denn man weiß ja nicht ob es weitere geben wird - aus zwei Sichtweisen. Richtig interessant wird es, weil die beiden sich bei diesem Fall erst kennenlernen und natürlich krass unterschiedlich sind. Mal schauen, was dabei rauskommt. Auch das macht wieder Laune zu schreiben, das macht unglaublich Spaß, weil es einfach eine ganz andere Art ist, eine Geschichte zu erzählen. 

Steffi: Sitzt ihr zum Schreiben zusammen oder schreibt ihr grundsätzlich immer nur getrennt?

Arno: Wir sitzen grundsätzlich immer nur ein paar Tage zusammen. Bei Fremd waren es 3 mal 3 Tage, die wir uns zum durchplotten der Story getroffen haben. Und dann geht alles über Mail. Und was sonst zu besprechen war, machen wir über Telefon. Wir haben manchmal 4-5 Stunden telefoniert. Das geht in der heutigen Zeit ja. 
Aktuell haben wir den Vorteil dass wir jetzt sowieso 3-4 Wochen zusammen sind, da bietet sich das natürlich an. Ich mache alles mit dem Auto. Ursula sitzt auf dem Beifahrersitz und wir plotten. Ist ja kein Thema ;-) 

Steffi: Aber machst du dir jetzt nicht noch mehr Stress selbst, wenn du jetzt noch einen dritten Verlag dazu nimmst? Ist es das wirklich wert?

Arno: Ja natürlich macht das mehr Stress. Ob es das wert ist, weiß ich noch nicht. Das werden die nächsten 1-2 Jahre zeigen. 
Ich komme damit selten durcheinander, weil ich nicht parallel schreibe. Ich schreibe für gewöhnlich immer eins fertig. 
Was ich nicht machen werde, ist auf einem toten Pferd rumreiten. Das mache ich nicht. Das heißt, ich werde die nächsten 1-2 Jahre entscheiden, was ich weiter mache und was nicht. Ich will nicht sagen, dass die beiden Jugendbücher bei Loewe schlecht gelaufen sind, aber sie sind nicht so gelaufen, wie ich das erwartet habe. Bei weitem nicht. Und jetzt muss ich abwarten mit dem nächsten, ob das dann ankommt oder nicht. Wenn das nicht funktioniert, muss ich so konsequent sein zu sagen "okay, ich habs versucht, das funktioniert nicht, also lass ich es sein."

Nadja: Aber war das von Loewe auch so gewünscht? Dass die gesagt haben "Das ist jetzt nicht so gelaufen wie erwünscht, also hier... schreib doch mal ein bisschen..."

Arno: Nein. Von Seiten von Loewe hat man mir absolut freie Hand gelassen. Die Idee ist von mir gekommen. Ich bin da an Loewe rangetreten und habe gesagt "Damit könnt ihr doch genauso wenig zufrieden sein wie ich, wir müssen uns da was überlegen...." Ich habe gesagt, ich gehe jetzt ein wenig mehr Richtung Erwachsenen-Schreibweise. Und das hat man sehr wohlwollend zur Kenntnis genommen und unterstützt. 

Steffi: Wie lief das mit Loewe generell? Kamen die eher zu dir und haben gesagt "hey, du bist cool, willste mal ein Buch bei uns schreiben?" Oder hast du da schon ein Manuskript gehabt?

Arno: Nein nein nein. Ich hab ein Anruf von der Programmchefin bekommen, die sagte: Hey Herr Strobel, ich kenne ihre Bücher, ich finde die Klasse, wir suchen noch einen männlichen Autor der Jugendbücher schreibt - hätten Sie nicht Lust für uns zu schreiben?" Dann hab ich darüber nachgedacht und dachte "Warum eigentlich nicht...." Und so kam das zu stande. 

Steffi: *hust* ....betretenes Schweigen.... *räusper* Also.... ähm..... Wir haben... Unsere Leser dazu aufgerufen, Fragen zu stellen, die sie unheimlich gerne mal von den Autoren wissen wollen würden, und die wir dir dann hier stellen sollen. Wir haben die beste Frage gekürt, und wir müssen dir diese Frage jetzt stellen. 

Arno: Ja, Cool! Machen! Los, her damit!

Steffi: .... und zwar möchte diese Leserin gerne wissen.... *riesen Gelächter von Nadja... dabei war das Frage stellen schon echt schwer genug* .... ob du regelmäßig auf einem Einhorn durch die Welt reitest!

Arno: Was? Einhorn? Nein. Es ist kein Einhorn. Wenn man es sinnbildlich als Metapher nimmt, dann ist es wohl eigentlich richtig klasse. 

Steffi: Wir dachten, wenn wir diese Frage überhaupt jemandem stellen können, dann DIR!

Arno: Ja. Vermutlich schon. Ich glaube wenn man sich in diesen Kreisen bewegt, und viele solcher Geschichten schreibt, wie ich sie grade auch mit Ursula zusammen schreibe, dann braucht man einfach sein Einhorn *lach* Also diese Frage kann ich ganz klar mit einem deutlichen JA beantworten :)

Steffi: *träum* das stell ich mir grade bildlich vor... dieses Einhorn... und dann der schöne Arno da drauf....

Arno: Ich muss schon sagen.... Die Leute kommen schon auf verrückte Ideen!

Nadja: Hast du eigentlich viel so mit Bloggern zu tun? 

Arno: ähm... ja... also viel ist natürlich relativ. Ich habe schon mit Bloggern zu tun, und ich finde das auch wichtig. Man sollte das als Autor auch schon honorieren, was die Blogger da für uns Autoren tun. Solange es mir möglich ist mir die Zeit zu nehmen, bin ich gerne für Blogger da und auch für Interviews bereit. 

Steffi: Siehst du Blogger wirklich als Werbeplattform? Denkst du, dass euch Autoren das wirklich was bringt?

Arno: Nein. Ich sehe es nicht als Werbeplattform. Ich sehe es als Mittler zwischen Autoren und Leser. Das hat nichts mit Werbung zu tun, sondern allgemein mit Lesung. Ich glaube dass Blogger durch das was sie tun Leute zum Lesen bringen, die sonst vielleicht nicht lesen würden. Ich glaube aber nicht, dass ein Buch, was auf einem Blog besprochen wird, nun plötzlich beliebt wird oder dass das jetzt DIE mega Werbung für mein Buch ist. Da bringt es mir doch mehr, wenn sowas in der FAZ oder im Spiegel oder im Stern erscheint. 
Ich erachte die Bloggersache schon als wichtigen Punkt in dem ganzen Literaturzirkus, die auch nicht zuletzt auch unserer neuen Medienlandschaft geschuldet ist. Früher hattest du so ein paar selbstgekrönte Literaturpäpste, die sich für das nonplusultra gehalten haben und über gut und schlecht geurteilt haben, und geglaubt haben sie können Bücher in den Himmel heben oder die Tonne treten. Mittlerweile hat man eine breite Masse an Leuten, die sich damit beschäftigen, und die Rezensionen schreiben. Es macht die Sache bunter und vielfältiger und für Leser oder potenzielle Leser auch interessanter. 

Steffi: Machst du selbst auch noch Werbung für deine Bücher? Und findest du dass es wichtig ist, dass kleinere, unbekanntere Autoren, ihre Werbung selbst machen?

Arno: Ich selbst mache GAR NICHTS. Das kann ich einfach nicht auch noch selbst machen. Das überlasse ich alles dem Verlag. 
Ich finde aber dass es durchaus wichtig ist, dass unbekanntere Autoren für sich selbst werben. Halte ich für sehr sehr gut. Den Weg bin ich anfangs ja auch selbst gegangen. Grade in Deutschland gibt es sehr sehr viele Männer und Frauen, die sehr sehr tolle Geschichten erzählen können. Aber ich weiß auch, dass von denen leider maximal 1% überhaupt die Chance bekommt, ein Buch zu veröffentlichen. Das ist wie ein sechser im Lotto. Es ist schade, dass so viele gute Geschichten niemals veröffentlicht werden. 
Ich finde es toll, dass es mittlerweile die Möglichkeit gibt, das selbst in die Hand zu nehmen. 
Es gibt einen einzigen negativen Beigeschmack, was für Leser ein Nachteil ist. Wer sich nicht auskennt, der kann nicht unterscheiden was ist durch den Filter eines Verlages gegangen und was nicht. Wenn man sich jetzt nicht auskennt, dann kann es passieren dass man sich für 1,99 ein ebook herunterlädt und dann etwas unlesbares auf seinem Reader hat, weil es einfach Schrott ist. Es wird sehr sehr sehr viel Schrott veröffentlicht.
Den Nachteil sehe ich wirklich. 
Aber es ist natürlich auch jetzt schon öfter passiert, dass aus diesem Selfpublishing heraus nun auch ein Verlags-Autor wurde, weil der Verlag gemerkt hat dass da etwas besonders gut gelaufen ist. Das wäre anders vermutlich nicht dazu gekommen. 
Bei mir wars genauso. Mein erstes Buch wurde von allen Verlagen abgelehnt. Und dann habe ich mich selbst verlegt.

Steffi: Würdest du jetzt nochmal mit jemand anderem zusammenschreiben, ausser mit Ursula?

Arno: Nein. Also ich würde ja sowieso NIEMALS mit jemandem zusammenschreiben *lach*
Das mit Ursula macht schon super super viel Spaß.
Aber es kommen schon tatsächlich jetzt Angebote rein. Das dreisteste was ich bisher erlebt habe war ein junger Mann, der hat mir geschrieben:
Lieber Herr Strobel, ich trete an Sie heran, weil ich Ihnen ein super geiles Angebot machen möchte. Ich habe eine mega Idee für ein tolles Buch, aber leider keine Zeit es zu schreiben. Ich mache Ihnen daher das Angebot: Sie schreiben das Buch, und wir treten als Autoren Duo auf. Ich liefere die Idee, sie schreiben. 
Ich hab diese Mail dann erstmal drei mal gelesen. Ich dachte ich hab mich verlesen. Das kann doch unmöglich jemand schreiben. Ich habe nicht zurückgeschrieben, denn wenn ich zurückgeschrieben hätte, wäre es böse geworden. 
Diese Dreistigkeit... Erstens davon auszugehen ich hätte selbst keine Idee, zweitens davon auszugehen ich hab die Zeit als Schreiberling für jemanden zu dienen der jetzt mal grade ne Idee für ein Buch hat....

Nadja: Gibt es auch Leute, die dir ihre Kapitel schreiben mit der Bitte diese zu lesen, und machst du das auch?

Arno: Ja, die gibt es. und NEIN!!!! Das mache ich nicht. Das hat einen ganz pragmatischen Grund. Ich will nicht sagen, dass das alles sowieso Schrott ist. Jedem, der mir schreibt, dem schreibe ich sofort zurück: Ich.habe.dein.Kapitel.nicht.gelesen!!!!! Und ich werde es auch nicht tun.
Warum? Ich schreibe irgendwann ein Buch, in dem eine Szene ist, in der ein Element ist, bei dem was passiert, das irgendjemand mir mal in einem Kapitel geschrieben hat, und ich habe sofort einen Brief vom Rechtsanwalt im Briefkasten der mir mittielt, ich habe eine Idee geklaut. Das mache ich grundsätzlich nicht. 
Und Zeit dafür habe ich auch nicht. Das kommt noch hinzu, aber vorrangig geht es nicht darum. Schreibt das bitte genau so, dass ich mir nicht zu schade dafür bin andererleute Kapitel zu lesen, sondern weil ich mir selbst einfach den Ärger ersparen möchte. 

Steffi: Wie ist es, Autor zu sein?

Arno: Es ist definitiv toll. Wenn es nicht DER schönste ist, dann ist es definitiv EINER der schönsten Berufe, die man haben kann. Es ist ein Traum. Ich wollte es nie werden. Ich habe nicht im entferntesten daran gedacht, dass ich irgendwann Autor sein könnte. Jetzt bin ichs. Seit zwei Jahren mache ich es nun hauptberuflich und es ist das schönste, was ich mir je hätte wünschen können. 

Steffi: Gruselst du dich noch vor irgendwas?

Arno: Vor der Realität. Das ist definitiv so. Ich grusel mich NIE über etwas, was ich selbst schreibe oder worüber ich nachdenke. Da ist das Bewusstsein zu groß, dass es meine Erfindung ist. Aber in dem Moment wo ich es schreibe, bin ich so drin, dass ich es lebe. Sonst wäre es auch nicht authentisch. Aber ich bin dann auch direkt wieder raus, sobald ich aufhöre. 
Gruseln oder Albträume habe ich einmal ganz extrem, aber das war aus der Realiät raus. Das war bei der Recherche zum Sarg. Da geht es um die dissoziative Identitätsstörung. Da musste ich mich natürlich von fachlicher Sicht her drüber informieren. Da habe ich eine Psychologin an der Hand, die ich immer mal wieder kontaktieren kann. Und die hat sich zufälligerweise genau auf dieses Themengebiet spezialisiert. Die hat mir auch ein paar Fälle aus der Praxis erzählt, und auch gesagt es gibt nur einen einzigen Auslöser für diese Krankheit. Und das ist massivste sexuelle Gewalt im Alter zwischen 3 und 4 Jahren. Nur dann ist der Verstand in einer Phase in der er sich zurückzieht und neue Persönlichkeiten bildet. Und dann hat sie mir ein paar Dinge aus der Praxis erzählt. Da bin ich wirklich wochenlang nachts schweißgebadet wachgeworden, weil ich das nicht verarbeiten konnte. Das hat mich nicht losgelassen, das konnte ich mir einfach nicht vorstellen, wie grausam Menschen ihren eigenen Kindern gegenüber sein können. Meine Geschichten können mich nicht gruseln, weil sie meine Erfindungen sind. Aber das ist die Realität. Ich hab es auch im Nachhinein noch mit meiner Lektorin durchgesprochen. Wenn ich einen dieser Fälle so 1:1 rausgenommen hätte und ihn geschrieben hätte, hättest du als meine Lektorin ihn mir um die Ohren geschlagen und gesagt 'das nimmt dir doch keiner ab, das ist total überzogen!' 

Diese Erfahrung hab ich nun öfter gemacht. Der Leiter der Mordkommission aus Aachen ist mittlerweile ein guter Freund geworden, den habe ich bei der Recherche zu 'das Wesen' kennengelernt. Der hat mir sehr sehr weitergeholfen, der war mir sympathisch. Wir haben uns lange unterhalten, und wenn wir in der Nähe sind gehen wir immer was zusammen essen. Er gehört wirklich mittlerweile zu einem ganz engen Kreis an Fachleuten die ich kontaktieren kann. Dem macht das mittlerweile richtig Freude, weil er weiß wie mir dann die Farbe aus dem Gesicht weicht. Einmal war Ursula dabei. Ich hab ihn vor kurzem angerufen, weil wir für den neuen Plot eine organisatorische Frage hatten. Wir saßen grade in Hamburg im Hotel zusammen. Ich hab ihn auf dem Handy angerufen und er ging auch direkt dran und ich sagte "Haste grad nen Moment Zeit? Ich hätte da mal ne Frage" und er sagte "Jaja, grade gehts, grade ist die Spurensicherung da, ich stehe hier grade neben einer Leiche im Wald. Ein Mountainbike-Fahrer." Und ich so: "aha... ja... gut.. Unfall." und da sagte er "Ja, ist aber ungewöhnlich, weil er hat nix an!"
Für die Jungs ist das normal. Für mich nicht.
Im August, also mitte im Sommer, haben sie mal einen gefunden der schon 3 Tage im Auto gelegen hat. Er hat mir dann in allen Einzelheiten erzählt wie der aussah, wo ich mir nur denke: "Okay, Frühstück hat sich jetzt auch erledigt..."

Steffi: Sowas aus der Realität macht mir zum Glück gar keine Angst. Das ist ja *Zum Glück!* nicht mir passiert. Aber sowas unrealistisches wie Zombies zum Beispiel - da gruselts mich total.. das kann ich mir überhaupt nicht angucken.

Arno: Ja. Das wäre auch gar nicht mein Genre. Ich schreibe das, was ich selbst auch gerne lesen würde. Ich lese halt auch gerne Thriller und man wird als Autor ja immer gut versorgt. Ich hab letztens bei Sebastian gesessen, wir haben ein bißchen gequatscht, und dann ist es ganz normal dass man sagt "hey, das will ich lesen!" Und dann tauscht man halt Bücher.
Gestern hab ich mit Veit Etzold zusammengesessen, und auch da tauscht man dann Bücher.

Nadja: Hast du denn auch noch einen Lieblingsautor?

Arno: Mein Lieblingsautor ist Stephen King. Da geht einfach nix drüber. Das ist nicht mal wegen des Genres, es ist einfach die Art wie er schreibt. Es gibt keinen Autor auf dieser Welt, der es so wie er schafft sich komplexe Welten auszudenken und diese neu zu erfinden. Ausser vielleicht Rowling. Die hat es auch wirklich geschafft. Es ist egal mit wem ich spreche, jeder sagt "ähhhh... Rowling." Aber ich finde, dass diese Frau GIGANTISCH gut schreibt.
Die stehen so für mich über allem.
Aber ich lese auch sehr gerne deutsche Autoren, es gibt ne Menge gute deutsche Autoren! In unserem Genre sind es wirklich viele. Schreiben toll, und haben tolle Ideen.
Nur während ich schreibe, da lese ich nicht. Bzw. ich lese keine Thriller. Dann lese ich zum Beispiel was von Wiebke Lorenz, so die lockeren Sachen die sie als Anne Hertz mit Frauke Scheunemann zusammengeschrieben hat.

Steffi: kannst du auch sagen, dass deine Figuren beim Schreiben ein Eigenleben entwickeln?

Arno: ja. Stellt euch das so vor. Ihr habt eine Szene im Kopf, die ihr schreiben wollt. Jetzt begegnen die beiden sich, dann wird etwas entscheidendes passieren. Dann fängst du an zu schreiben. Dann musst du diese Szene leben, sonst kannst du nicht vernünftig schreiben. Du musst in diesem Moment als dein Protagonist agieren. Dann wird das ganze plötzlich emotional. Der andere sagt was, aber plötzlich ärgerst du dich wirklich darüber. Das klingt total verrückt, aber genau so ist es. Dann reagierst du emotional. Du bist empört. Und dann schreibst du das rein, und genau in dem Moment fängt diese Figur in dir an zu leben. Du bist nicht mehr der Autor, sondern du BIST diese Person. Damit entsteht diese Eigendynamik und es entwickelt sich ein Schreibwahn. Das passiert manchmal, dann komme ich nach 8 Stunden aus dem Büro und habe 20 Seiten geschrieben, weil ich nur dran bin, weil das muss raus, raus, raus. Ich bin dann emotional so drin, dann kann ich nicht abbrechen. Am nächsten Tag lese ich das dann und denke "oh gott...." - ohne Scheiß. Dann denke ich oft "das wolltest du so doch gar nicht schreiben... Das sollte doch ganz anders ausfallen das Gespräch... Aber so ist auch geil :) "

Steffi: Wie oft hast du dein Buch selbst gelesen, bis es fertig ist?

Arno: So 50-60 mal würde ich tippen. Wobei. Das reicht nicht. Eher so 100.
Aber das ist nötig. Sobald ich einen Tag aus der Geschichte raus bin, muss ich wieder rein kommen. Und dafür muss ich die letzten 2-3 Kapitel mindestens nochmal lesen, um in den Rhythmus des Schreibens und in die Personen wieder rein komme.
Wenn ich die Zeit dazu habe, dann lasse ich es nachdem ich fertig bin noch 1-2 Wochen liegen und beschäftige mich mit anderen Dingen. Dann lese ich es nochmal durch, und dabei mache ich nochmal Änderungen. Dann kann ich eher die Person des Lesers einnehmen. Zwei Wochen reichen in der Regel aus, um ein bisschen den Leserblick zu bekommen.
Und dann kommt meine Lektorin - und haut mit dem Hammer drauf.
Oft sagt sie dann "an der Stelle bin ich ins stolpern geraten, da muss du was am Lesefluss ändern". Oder sie ruft an und sagt "an dieser Stelle hab ich etwas nicht verstanden." Und sie will natürlich dann nicht, dass ich ihr das erkläre, denn das ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Ich habe in meinem Beruf bei der Bank sehr viele Meetings geleitet, und wenn ich in der Zeit eins verstanden habe, dann dass man nie zu dumm ist etwas zu verstehen, sondern dass ich zu dumm war es anständig zu erklären. Und so ist es beim Buch auch.

Steffi: Siehst du den Beruf des Autors als deine endgültige Bestimmung an?

Arno: Zurück zur Bank kann ich nicht mehr gehen. Ich bin 53. Das geht nicht mehr. Grade als Informatiker ist der Zug abgefahren. Ich müsste dann in einen anderen Bereich gehen. Das könnte ich mir durchaus vorstellen, aber ich hoffe nicht, dass es nötig ist. Denn das würde bedeuten, dass meine Bücher nicht mehr gelesen werden. Nur dann würde ich was anderes tun. Ich würde sehr wohl etwas anderes tun, wenn es nicht mehr funktioniert. Wenn ich kein Geld mehr damit verdiene, schlicht und ergreifend. Aber solange es läuft, und solange ich Geld damit verdiene, werde ich mit dem Schreiben definitiv nicht mehr aufhören, weil es einfach einen mords-Spaß macht.




Vielen Dank lieber Arno, für dieses tolle Interview. Ich hoffe es wird eine Wiederholung geben, und wir hoffen sehr, dass wir euch als Leser diesen tollen Autor ein wenig näher bringen konnten :)

Wenn euch unser schlunziges Interview gefallen hat, dann lasst es uns gerne wissen :)


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