12. Dezember 2013

*Rezension* Wunder einer Winternacht von Marko Leino


Zwei Brüder finden bei einem Spiel im Meer eine kleine Schatztruhe. In ihr befindet sich eine auf den ersten Blick wertlose alte Taschenuhr, gefüllt mit einem Weihnachtsgruß für ein kleines Mädchen.
Erst ihr Opa kann ihnen erzählen, was es damit auf sich hat. Und so erzählt er den Jungen eine Geschichte aus weit entfernter Zeit. Eine Geschichte, an die er bis zum heutigen Tag eigentlich selbst nicht glaubte. Die Geschichte von Nikolas, dem kleinen Waisenjungen, der nach dem schrecklichen Verlust seiner Eltern in einem kleinen unbekannten Dorf aufwächst, indem er zunächst immer ein Jahr bei einer Familie lebt, bis er schließlich zu dem griesgrämigen, kinderhassenden Iisakki in die Tischler-Lehre geht.



Wir haben heute den 12. Dezember 2013 und damit einen guten Zeitpunkt für eine Weihnachtslektüre. Davon gibt es massig. Ich gebe zu noch nie in meinem Leben ein Weihnachtsbuch gelesen zu haben und kam über einen Buchclub an dieses Buch – wofür ich nun dankbar bin, denn dieses Buch war wirklich wunderschön.
Und damit meine ich nicht nur die Zeilen und Worte dieser Geschichte.
Das Cover ist in seinen Farbtönen sehr harmonierend gehalten und es lässt sich sofort erkennen, dass es zwar eine Weihnachtsgeschichte, aber kein Kitsch ist.
Wenn man das Buch aufschlägt, blinzeln einem als erstes auf den ersten Seiten winzige Schneeflocken entgegen, die mich total umgehauen haben. Wunderschön gestaltet!
Das Buch ist in  24 Türchen aufgeteilt, und ich fand es fast schon etwas schade, dass ich dies nicht wahrgenommen habe und jeden Tag ein Türchen „aufgemacht“ habe. Aber das ist mir leider erst zu spät aufgefallen. Bei jedem Türchen findet man auch in der Überschrift die Sterne verteilt über eine halbe Seite wieder, was dem Buch einen wundervollen Wiedererkennungswert verleiht.

In den ersten Seiten musste ich lachen, da einer der beiden Jungen die die Schatzkiste finden, tatsächlich „Ossi“ heißt. Ein gewagter Name!
Aber schon schnell kommt man dann zu der eigentlichen Geschichte. Die Idee, diese Geschichte auch wirklich als eine Geschichte zu verpacken fand ich sehr gut, das verleiht dem Buch nochmal einen extra-Weihnachts-Touch, denn ich finde niemals werden so viele Geschichten erzählt, wie in der Weihnachtszeit.

„Je weniger die Menschen wissen, desto mehr können sie glauben. (…) und je mehr die Menschen glauben, desto weniger zweifeln sie!“ S. 227

Obwohl der Film zum Buch FSK 6 ist, was im Normalfall ja auch Rückschlüsse auf das Buch ziehen lassen sollte, ist das Buch keineswegs eine „leichte Kinder Kost“. Der Autor schreibt sehr gefühlvoll und weckt das Mitgefühl seiner Leser in einer Tragweite, die Kinder gar nicht begreifen können.
Es gibt Szenen, in denen keimte in mir Wut auf. Wut auf das, was die Protagonisten dort gerade tun und Verständnislosigkeit für dieses Handeln.
Dann gibt es Szenen in denen ich Mitgefühl entwickelte oder überwältigt war von der Güte die aus den Darstellern sprach.
Wir erleben tiefe, innige Liebe unter Geschwistern, sehr feste Bänder zwischen Menschen und einen bedingungslosen Zusammenhalt.

Die Handlung ist geradlinig und doch übergreifend. Der Autor beschreibt in dieser Geschichte sehr viele aufeinanderfolgende Geschehnisse die einen großen Zeitraum umfassen und beschränkt sich nicht nur auf den Ausschnitt eines Lebens, auf eine Schlüsselszene. Trotz der umfassenden Zeitspanne ist die Geschichte aber stimmig und schlüssig, an den richtigen Stellen ausgeschmückt und ebenso an den richtigen Stellen abgekürzt und driftet nie in andere Themengebiete ab.

„Die Zeit vergeht schneller, wenn du ihren Lauf verstehst.“ Ist ein Zitat aus diesem Buch, dem wir mehr als einmal begegnen. Es ist mehr schon ein Motto als einfach nur eine Zeile.
Denn wir erfahren hier, was die Zeit mit sich bringt, wie wertvoll Zeit sein kann, oder wie belastend sie auch sein kann. Manchmal vergeht sie viel zu schnell und man würde sich mehr davon wünschen. Manchmal möchte man sie anhalten oder gar vielleicht zurück drehen.  Und manchmal können Stunden wie Jahre sein und man hat das Gefühl die Zeit ist wirklich stehen geblieben, obwohl man das vielleicht gar nicht möchte.
Zeit ist vielfältig, doch vorallem ist sie eins meist nicht: genau das, was wir in dem Moment wollen.

„Es steht uns nicht zu, das Meer zu fragen, warum es stürmisch wogt, so wie wir auch den Himmel nicht fragen, weshalb er uns nass regnet, oder die Erde, warum sie uns nicht gibt, was wir uns erhoffen. Denn wie es das Meer und den Himmel und die Erde gibt, so gibt es auch die Ewigkeit all dieser Naturkräfte, eine Ewigkeit, die in uns allen lebt, jetzt und auch dann, wenn unsere Zeit auf Erden verstrichen ist“ S. 50

Ich habe bei diesem Buch keine Spannungen oder unvorhersehbare Ausgänge erwartet – denn es ist eine Weihnachtsgeschichte.
Und daher wurde ich auch nicht überrascht – was ich positiv werte. Es ist vorhersehbar, aber genau das habe ich auch erwartet.
Wir finden hier aber alles, was eine Weihnachtsgeschichte braucht. Einen Weihnachtsmann, ein Geheimnis, lachende Kinderaugen. Die wahre Liebe, der Zusammenhalt unter Menschen und die unablässige Güte die man auch als Nächstenliebe bezeichnen kann.
Das alles gespickt mit wundervollen Worten, mit ein wenig Drama und absolut liebenswerten Protagonisten macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem in der Weihnachtszeit.

Meine abschließende Meinung:
Ich fand das Buch wundervoll – und es hat sich mit seinen Worten 5 Schmetterlinge verdient. Es ist ein Weihnachtsbuch, was ich empfehlen würde.
Aber wirklich nur in der Weihnachtszeit. An meine persönlichen „Bestseller des Jahres“ habe ich andere Erwartungen. Man muss schon in der richtigen Stimmung für dieses Buch sein




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