20. September 2014

*Rezension* Der Sommer als Chad ging und Daisy kam - von Jennifer Googh Hummer



Apron ist 13 und hat es nicht sonderlich leicht im Leben. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater hat eine neue Frau die ein Kind von ihm erwartet, ihre Großmutter ist durch eine Nervenkrankheit Stadtgespräch, ihr geliebtes Meerschweinchen, das einzige was ihr noch Halt gibt, soll abgeschafft werden, da Margie - eine brasilianische Krankenschwester, die die neue Frau des Vaters ist - ihn einfach nicht leiden kann und ihre beste Freundin wendet sich von heute auf morgen von ihr ab.

All das würde sie sicher verzweifeln lassen, wären da nicht Mike und Chad, ein süßes schwules Päärchen, dass Apron zufällig kennenlernt. Die beiden besitzen einen kleinen Blumenladen und verhelfen ihr zu neuem Mut und einem neuen Zuhause für "den Boss". Doch auch dort ist nicht alles so zuckersüß wie es auf den ersten Blick scheint. Die beiden werden von den Menschen gehasst und boykottiert - einerseits weil Homosexualität dort nicht geduldet wird, andereseits weil Chad Aids hat und ihm nicht mehr viel Zeit bleiben wird.



Als ich dieses Buch erstmals im Laden sah, war ich von seinem Cover beeindruckt. Es schimmerte und funkelte und gefiel mir mit seinen Blumen und den einzelnen Bausteinen einfach super gut.
Noch eindrucksvoller war der Moment, in dem ich den ersten Satz las.
"Jesus lief in Unterwäsche herum." (S.7)
Ich dachte mir: Ein Buch was so anfängt, kann nur gut sein. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Wir haben es hier mit ganz vielen Facetten zu tun. Zum einen wird versucht auf die kindliche Naivität der Welt und seiner Menschheit gegenüber einzugehen, da die Protagonistin erst 13 Jahre alt ist.
Andererseits ist sie durch all ihre Schicksalsschläge aber auch schon sehr reif, was Erwachsene anfangs nicht akzeptieren wollen oder können. Klassisches Schubladendenken wird hier angesprochen, wie eine 13-jährige ihrer Meinung nach zu sein hat.
Zudem werden wirklich schwierige Themen wie die Inakzeptanz von Homosexualität, die schlimme Krankheit Aids, die Verwaisung durch Krebs, die öffentlichen Reaktionen auf Krankheiten und vieles mehr angesprochen.
Anfangs war das Buch zwar noch wenig emotional, aber nach ungefähr 100 Seiten hat mich das ganze dann doch gepackt und mir am Ende auch die Tränen in die Augen getrieben. 
Für mich war das ein perfektes Zusammenspiel, was wirklich unter die Haut ging und dem Leser Gänsehaut und Lesefeeling pur beschert hat. Hier ist nichts mit Kopf ausschalten und locker flockig was lesen, denn hier wird der Leser wirklich gefordert.

Auch sprachlich geht dieses Buch weit über den typischen Jugendbuch-Stil hinaus. Uns erwarten am Anfang jedes Kapitels Lateinische Sprüche. Dies stellt einen besonderen Bezug zur Geschichte dar, da Aprons Vater Lateinprof ist und seiner Tochter immer wieder Kenntnisse zu vermitteln versucht, die daran auch sehr interessiert ist. Latein ist ein persönliches Ding der zwei, was immer wieder in den Alltag einfließt und so auch dem Leser nähergebracht wird. Von "toter Sprache" ist hier keine Spur, die Zitate sind alltagstauglich und sehr schön gewählt.

"Manchmal hassen einen die Leute, obwohl man nichts getan hat." (S. 96)

Etwas irritierend fand ich, dass man für Margie (=die neue Frau des Vaters, eine der Protagonistinnen die auch sehr häufig im Buch erwähnt wird) die Abkürzung "M" gewählt hat und sie überwiegend auch so nannte. Wenn dann von ihr, bzw. über ihre Gedanken, Gefühle, oder persönliche Gegenstände gesprochen wurde, las man immer "Ms", was "M's" bedeuten sollte, sich für mich aber automatisch immer wie "Miss" gelesen hat und so zu etlichen Verwirrungen geführt hat. Es hat auch recht lange gedauert, bis ich das überhaupt kapiert hatte.....

Ansonsten punktet dieses Buch mit seinen Themen, seinen liebevollen und vielschichtigen Charakteren, seiner Story und der Sprache auf ganzer Linie. Es hat geschafft, mich persönlich zu berühren, ließ sich gut und flüssig lesen und blieb mir im Kopf noch eine Weile erhalten, was besonders Jugend-Sommer-Bücher sonst eigentlich selten schaffen.

Von mir gibt es für dieses absolut gelungene Werkt 5 Schmetterlinge und eine klare Leseempfehlung!


Kommentare:

  1. das hört sich klasse an - danke für die rezi!
    lg von der numi

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  2. Mir ist das Buch ja schon wegen dem Cover und dem Titel aufgefallen und nun kommt eine super Rezension nach der anderen .... ich muss das Buch definitiv auch noch haben.

    lg Favola

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