4. November 2014

*Rezension* Endgame - von James Frey


12 Meteoriten stüren zeitgleich auf die Erde, schlagen an verschiedenen Orten ein, hinterlassen Schock, Verwüstung und tausende Tote. Aber sie hinterlassen noch etwas: 12 Menschen, deren Leben sich für immer verändert. Spieler. Denn diesen 12en ist eins sofort und unmissverständlich klar: Endgame hat begonnen!
Im Kampf ums Überleben, die Weltherrschaft und den begehrten Erdschlüssel erfahren die Jugendlichen Zusammenhalt und Gegensatz, Schmerz, Leid und Trauer, aber auch Liebe und Unterstützung.


Die Geschichte beginnt schon in einer klaren Sache: Blutig. Tödlich. Erbarmungslos. Ekelhaft.
Ich dachte anfangs, dass sei der Auftakt, und dass sich das schon legen wird. Doch leider war dem nicht so. Es zieht sich in Schüben durch die Geschichte. Wir haben anfangs blutige Szenen, dann geht es weiter mit dem normalen Verlauf, bis es sich ständig wiederholt, Spieler sterben, Familien werden ausgelöscht, bis am Ende offensichtlich sogar die "Mordlust" mit dem Autor durchgegangen ist, und ich mich wunderte, dass überhaupt jemand überlebt hat.
Es gab viele Diskussionen über die Altersbegrenzung, die ich nur bedingt unterstützen kann. Mir ist bewusst, dass dieses Buch ab 16 Jahren ist, und damit nicht in die klassische Kategorie "Jugendbuch" fällt, sondern eher unter "All-Age" einzugruppieren ist. Wenn man sich Filme FSK 16 anschaut, sind die auch nicht brutaler als dieses Buch hier. Dennoch ist nicht zu vergessen, dass ein Buch anders zu werten ist, als ein Film, da es sich hier um ein Kopfkino handelt, und ich manche Szenen von abgetrennten Gliedmaßen oder detailgetreuer Ermordungen einfach zu heftig finde. Besonders sei dazu zu sagen, da es sich hier um Protagonisten handelt, die teilweise erst 13 Jahre alt sind, was für mich einfach nicht zusammenpasst. Wenn ich kein Jugendbuch schreiben will, dann darf ich meine kaltblütigen Protagonisten auch nicht minderjährig machen.
Ich hatte im gesamten Buch ein bißchen das Gefühl, dass der Autor auf den Erfolgszug des Genre Jugendbuch aufspringen will, ohne wirklich ein Jugendbuch zu schreiben - von der Alterskategorie mal ganz unabhängig.

Spätestens nachdem kleine süße Mädchen plötzlich Dinge tun, die weder zu ihrer Person passen, noch in die Handlung passen, war für mich der Sinn dieses Buches ziemlich verfehlt.
Generell habe ich leider ein "Sinn-Problem", denn auch nach knapp 600 Seiten kann ich noch immer nicht sagen, worum es bei Endgame eigentlich geht, was der Sinn oder das Ziel ist, und warum sich die Spieler gegenseitig töten müssen. Es tut mir leid, aber es ist sehr schade, ein Buch zu lesen, dessen Sinn nicht erklärt wird.

Mit den Protagonisten hatte ich so meine Probleme. Manche mag ich, manche mag ich nicht. Bei manchen weiß ich, wer sie sind, andere habe ich nicht kennenlernen können. Kurzum: Der Autor gibt dem Leser in einem Spiel voller Möglichkeiten vor, wen er zu mögen hat, und wen nicht. Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass er Charaktere favorisiert, um dem Leser frühzeitig ein mögliches Ende zu verraten, was nicht jeden begeistern wird, da damit einiges an Spannung auf der Strecke bleibt.

Zudem haben wir hier sehr exotische Orte, Themen der alten Mythologie und Namen von Spielern, die sich weder aussprechen, noch leicht lesen lassen, und schon gar nicht gängig sind. Das mal 12 endet in einem riesen Chaos, das nur verwirrt.

Was ich absolut bemängel, ist den Ausdruck "Spieler" und generell das Wort "EndGAME". Es geht hier nicht um ein Spiel. Es gibt keine Aufgaben, es gibt keine Strategischen Vorgehensweisen. Ich - und sicher auch viele andere - lassen sich bei diesem Begriff von Panem leiten - udn ich möhte ausdrücklich daraufhinweisen, dass das nur der Verwirrung dient. Hier gibt es kein Spiel. 

Auch wenn es sich jetzt erstmal so anhört, Endgame ist kein Buch, was ich durchweg als schlecht bezeichnen würde.
Man muss sich mit den Figuren arrangieren, man darf am besten nicht denken, und nichts hinterfragen. Aber es zeugt von einem einzigartigen und individuellen, schnelllebigen und kurzweiligen Schreibstil, der perfekt zur Geschichte passt. Man fliegt nur so durch die Seiten und wenn man einmal angefangen hat und drin ist, muss man sich keinesfalls zum Lesen zwingen. Man wird mitgerissen in geballte Action, in der man leider manchmal den Überblick verliert, aber die dennoch einfach Spaß macht. Das Buch ist ein bißchen wie eine Achterbahn, es hat Punkte die sind absolut 100% TOP zu werten, und kurze Zeit später rast es in tiefe Gebiete, die dem Leser absolut nicht gefallen, und auch niemals gefallen wollen. Es ist schnell, rasant, kalt und zugig, aber ebenso spannend, vielseitig, individuell und auf seine eigene Art und Weise auch lesenswert.

Wer dieses Buch gelesen hat, wird verstehen was ich meine. Wer es nicht gelesen hat, sollte selbst entscheiden ob er das tut, sollte aber erwartungslos an diese Geschichte gehen und sich nicht von dem Hype treiben lassen.

Ich kann es leider nur bedingt weiterempfehlen, aber ich für mich werde auf jeden Fall weiter lesen.

ich habe lange überlegt, wie ich das ganze bewerten soll. Einerseits fand ich es mehr schlecht als dass ich es gut fand, andererseits hat es mich dennoch begeistert.
3 Sterne sind mir zu wenig, 4 zu viel... Ein Mittelding habe ich leider nicht in meinem System. Verglichen mit anderen Bewertungen muss ich dann aber doch leider auf 3 Sterne gehen.




1 Kommentar:

  1. Bei diesem Buch sind ja viele hin und her gerissen. Ich fand es mega toll und hab auch 5 Palmen gegeben...Ich denke entweder liebt man es, oder man hat Kritik auszusetzen... ziemlich schwierig bei diesem Buch!

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