17. August 2015

*Rezension* Am Ende der Welt traf ich Noah - von Irmgard Kramer



Marlene ist gefangen in ihrem Ich. Ihre Eltern sind Ärzte, reisen von Kongress zu Preisverleihung und Marlene ist ständig mit dabei. Sie MUSS mit dabei sein. Ihr Leben ist öde, sie findet es langweilig und hat große Lust auf ein Abenteuer. Sie möchte etwas erleben, möchte frei sein, möchte die Welt um sich pulsieren spüren. 
Und dann kommt der Moment: Während ihre Eltern mal wieder auf eine Auszeichnung in einem großen festlichen Saal warten, schleicht sie sich nach draußen, findet einen roten Koffer der sie magisch anzuziehen scheint und begiebt sich mit ihm auf ein Abenteuer in eine Welt, fernab der Zivilisation. Dort trifft sie nicht nur Noah, sondern überwindet auch ihre eigenen Grenzen und findet letztlich zu dem, was sie am meisten gesucht hat: Zu sich selbst. 

Die ersten Seiten konnten mich gar nicht so recht fesseln, doch nach kurzer Zeit war es, als sei ich zusammen mit Marlene über eine imaginäre Grenze getreten. Die Grenze, die sie in eine neue Welt katapultiert hat und die Grenze, die mich gefesselt und gefangen gehalten hat. Einmal im Fluss der Geschichte angekommen, ließ ich mich vom Strom mitreißen - und war hoffnungslos verloren. 

Die Story ist klar strukturiert, verliert sich nie in unnötigen Erläuterungen unwichtiger Dinge sondern konzentriert sich auf das Wesentliche. Hier glänzt sie mit Charme und Poesie, lässt die Protagonisten und auch den Leser wahre Liebe spüren. Doch nicht nur die Liebe steht hier im Vordergrund, es ist ein tolles Zusammenspiel zwischen der Liebe der Protagonisten und des eigentlichen Vorankommens. Hier bleibt wirklich nichts auf der Strecke. So dürfte dieses Buch sowohl etwas für den Spannungsliebhaber sein, der gerne rasante Action mag, als auch für denjenigen, der eine sanfte Liebesgeschichte vorzieht. Und am Ende bleibt sicher kein Auge trocken, denn diese Geschichte hat für den Leser ein ganz besonderes Ende parat. Ich bin ein Mensch, dem beim Lesen ein "siebter Sinn" gegeben wurde, und in fast allen Büchern kann ich auch die noch so spannenste Wendung schon lange vorher sehen. Doch dieses hier hat mich völlig überrascht und überrumpelt, mir hat sich regelrecht der Boden unter den Füßen weggezogen und ich habe auch nach Ende des Buches noch lange reglos da gesessen und den Kopf geschüttelt. 

Die Hauptfiguren sind sehr gut gezeichnet, haben mir wirklich gut gefallen. Sie sind anschaulich und real, man kann sich mit ihnen identifizieren - wenn man denn möchte. Sowohl Personen als auch Orte wirken gleichermaßen reell wie auch magisch und haben somit eine ganz persönliche Note bekommen. 

Der Schreibstil ist flüssig und dezent, was mir auch gut gefallen hat. Man fliegt hier ohne große Anstrengung durch rund 350 Seiten, es wird einem nie langweilig und wenn man sich drauf einlässt, taucht man ab in eine ganz neue Welt. 

Irmgard Kramer hat mich mit ihrem Roman völlig überzeugt und mir wundervolle Lesestunden beschert. 

Ich vergebe die Höchstwertung 5 von 5 Schmetterlingen und würde dieses Buch jedem empfehlen!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Loewe Verlag für dieses Rezensionsexemplar


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