6. Mai 2015

*Rezension* Mein Herz und andere schwarze Löcher von Jasmine Warga


Aysel hat mit ihrem Leben abgeschlossen und möchte diesem auch ein Ende setzen. Doch wie? Und die größere Frage mit wem? In einem Forum für Menschen die sich gerne umbringen möchten trifft sie schließlich auf Roman. Er wohnt im Nachbarort und verfolgt dieselben Absichten wie sie, die Welt zu verlassen.
Doch es kommt anders als die beiden denken, denn jedes Treffen der beiden erhellt Aysels Herz mehr und sie merkt langsam immer deutlicher, wie schön das Leben doch eigentlich sein kann, wenn man es nur wirklich lebt. Und genau diese Gefühle animieren Aysel dazu den Kampf aufzunehmen, den Kampf FÜR ihr Leben und vor allem für das Leben von Roman.



Ich hatte sehr große Erwartungen an dieses Buch. Hatte gehofft endlich mal wieder einen Roman zu lesen der berührt und unter die Haut geht. Der mich tagelang nicht schlafen lässt und bei dem ich auch mal wieder hemmungslos die Tränen fließen lassen kann. Leider wurden all diese Erwartungen nicht im Mindesten erfüllt.
Ich habe als Leser eine Protagonistin vorgesetzt bekommen, die labil ist wie ein Fähnchen im Wind. Ist im einen Moment die Welt noch furchtbar traurig und dunkel, so ist sie im nächsten plötzlich wieder von der Sonne erhellt. Ihre Probleme die sie hat sind hausgemacht. Sie lässt niemanden an sich heran und stößt alle die versuchen ihre erbaute Mauer zu erklimmen von sich weg. Natürlich könnte man jetzt sagen: Ist doch typisch für Depressive, die machen das nun mal so und merken selbst gar nicht, dass die Menschen sie lieben. Ja das mag sein. Aber Aysel ist nicht depressiv. Aysel ist in meinen Augen ein junges Mädchen, vom Schicksal gebeutelt einen Mörder zum Vater zu haben. Ja auch diese Tatsache könnte depressiv machen. Doch mir als Leser kam Ayses Verhalten wahnsinnig gespielt vor. Sie machte den Eindruck, als hätte sie sich angelesen, wie man sich als depressiver Mensch verhält und Versucht nun dieses Wissen in ihren Alltag zu integrieren. Sie macht für mich in dem Buch eine Depression zu einer Modeerscheinung. Denn genau so wirkt es bei ihr. Sie fühlt sich traurig und scheiße, also macht sie das Beste drauf und spielt die Depressive und möchte ihrem furchtbaren Leiden nun endlich ein Ende setzen. Sie ist für mich einfach nicht authentisch.
Vielleicht liegt das an dem lockeren Stil der Autorin oder an der Art die sie Aysel auf dne Laib geschneidert hat. Man hat nämlich das Gefühl Aysel weiß gar nicht was ernst sein ist. Ihre Kommentare triefen alle vor Ironie und Sarkasmus. Alles wird so auf die leichte Schulter genommen. "Hey ich bin depressiv und will mich umbringen, was solls." Dieser Eindruck wird bei mir erweckt.
Dadurch konnte ich natürlich keinerlei Beziehung zu Aysel aufbauen, im Gegenteil, ich habe sie gehasst! Ich habe sie wirklich gehasst! Allein schon weil ich mir während des ganzen Lesens dachte, das ein wirklich depressiver Mensch sich doch von ihr verarscht fühlen muss!
Sie ist für mich eine der schlechtesten Protagonistinnen, die ich je erleben musste.
Doch Roman hingegen konnte überzeugen. Leider hat er sich aber ausgesucht zusammen mit Aysel zu sterben. Ich hätte wirklich lieber einen Roman mit ihm alleine gelesen. Er selbst hat den Tod seiner eigenen Schwester verursacht und ich muss sagen, wenn ich seine Mutter wäre, ich glaube ich könnte ihm das auch nicht verzeihen. Und genau das ist der Grund für seinen Todeswunsch. Er kann sich nicht vorstellen, dass seine Eltern ihn noch lieben und eigentlich hasst er sich selbst für das, was er getan hat. Ich kann es verstehen! Roman habe ich alles abgekauft. Für mich ist er der wirklich depressive! Derjenige der professionelle Hilfe benötigt. Bei ihm merkt man auch auf jeder Seite wie sehr er trauert und das nichts ihm mehr so wirklich Freude bereiten kann. Selbst als er sich merklich in Aysel verliebt, ist diese Liebe für ihn Nebensache und er hält fest an seinem Entschluss. Er möchte wirklich sterben!
Gerade in diesem Zusammenhang war mir das Ende zu schnell. Weder mit Aysel noch mit Roman macht man einen Verarbeitungsprozess durch und plötzlich ist man schon mit beiden am Ende ihres Weges angekommen. Für mich alles leider irgendwie zu schnell und abgehakt und damit auch unrealistisch. Wieder fehlt die Authentizität.
Ich konnte mich wirklich nur durch dieses Buch ringen, weil die Schrift so groß war und die Kapitel recht kurz. Anders kann ich es leider nicht sagen.
Schwache Charaktere und fehlendes authentisches Verhalten haben mich von Langeweile in - fast schon - Hass getrieben. Teilweise hat mich Aysel wirklich aggressiv gemacht und ich hätte sie gerne geschüttelt.
Leider wenig berührend und auch wenig aussagekräftig.
Trotz dessen möchte ich die Idee dahinter und den flotten jugendlichen Stil und ganz vor allem die Beschreibung der Qualle honorieren!


Kommentare:

  1. Hey,

    eigentlich wollte ich mir das Buch unbedingt kaufen oder lesen, aber du warst ja anscheinend nicht so begeistert davon. Mal sehen ..
    Trotzdem tolle Rezension :)

    Liebe Grüße und schönes Wochenende. ♥
    http://kathisbuecherstapel.blogspot.de/

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  2. Hallo,
    schade, dass Dir das Buch nicht so gut gefallen hat, für mich war´s eins der besten Geschichten, die ich in diesem Jahr gelesen habe...
    Liebe Grüße,
    Melanie

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