10. Juni 2014

*Rezension* Mama sind wir bald da - von Pia Volk





Pia ist ein Reisemensch. Für sie ist ein Haus, ein Auto, ein festes soziales Umfeld eher eine Belastung, als eine Sicherheit. Sie mag keine Sicherheiten, sie steht auf das aussergewöhnliche Abenteuer.
An ihrer Seite hat sie ihren Sohn Paul. Mit dem Muttersein hat sich vieles in ihrem Leben geändert und ganz oft hat sie sich gefragt  ob auch sie sich nun ändern muss. Sie kam irgendwann zu dem Ergebnis, dass man auch mit Kind man selbst bleiben kann und seine Vorlieben weiter ausleben kann, solange man die nötigen Vorkehrungen trifft.


„Mama sind wir bald da“ ist eine klassische Frage, die man wohl oft hört, wenn man Kinder hat und mit diesen verreist. Sehr oft hat mich dieses Buch an meinen eigenen Sohn Paul erinnert. Wie Pia war auch ich eine Weile mit meinem Paul alleine, habe mir oft die selben Fragen gestellt, und einige ihrer beschriebenen Szenen erlebt – wenn ich dafür auch nicht gerade über einen Krokodil-Tümpel fahren musste.

Dieses Buch hat mich zwiegespalten, in jeglicher Hinsicht.
Die ersten Seiten haben mich bereits gefesselt, weil Pia Volk einen wahnsinnig guten Schreibstil hat. Oft habe ich besonders bei deutschen Autoren den Eindruck einen Aufsatz zu lesen, aber bei diesem Buch hatte ich wirklich das Gefühl, ein BUCH in der Hand zu halten. Sie beschreibt mit Lebendigkeit und Leidenschaft die einzelnen Szenen. Zudem ist sie hoffnungslos ehrlich, was mich besonders fasziniert hat. Sie würde Paul gerne den Krokodilen zum Fraß vorwerfen, sie war genervt von einem schwitzenden schreienden Säugling und sowohl peinlich berührt, als auch wütend, wenn Paul sich in Menschenmassen auf den Boden schmiss und den eigentlichen Plänen nicht folgen wollte.
Das hat mich wirklich begeistert. Viel zu häufig lesen wir, wie toll Kinder sind, wie gut sie sich benehmen und dass es einfach daneben ist, wenn man als Mutter auch mal genervt ist. Wir bekommen vorgegeben, dies nicht sein zu dürfen.
Aber Pia Volk hat die Wahrheit geschrieben. Und ich konnte es so gut nachvollziehen und war richtig erleichtert, dass auch sowas mal ausgesprochen wurde.
Leider hatte ich dann in der zweiten Hälfte des Buches das Gefühl, dass all ihre Reisen davon geprägt waren, dass sie genervt von Paul war, bzw. Paul genervt von den Reisen war. Ständig bockte er, hatte keinen Spaß oder keine Lust mehr und Pia war genervt von seinem Verhalten. Da kam bei mir dann wirklich irgendwann die Frage auf, warum sie trotzdem immer wieder diese Reisen geplant hat und sie mit ihrem Sohn unternommen hat. Nur, um ihm was von der Welt zu zeigen, was er eigentlich nicht sehen wollte?
Generell hatte ich in der zweiten Hälfte das Gefühl, dass es langsam etwas uninteressant wurde.
Irgendwie stand in diesem Buch nichts im Vordergrund. Die Reisen wurden thematisiert, aber nicht so richtig ausgeschmückt. Ebenso das Muttersein, bzw. das Reisen mit Kind.
Ich hätte mir einfach etwas mehr von Pia und Paul gewünscht, auch etwas mehr drumherum. Wo ist der Vater? Wie lief die Planung jeweils ab? Was hat Paul zuhause gemacht? Wie lange dauerten die Reisen, und musste Paul nicht zur Schule? Wie hat sie das ganze finanziert? Gab es Unterstützung? Woher kommen diese Freunde überall? Fragen über Fragen mit denen ich leider zurückgelassen wurde.

Abschließend kann ich sagen, dass die erste Hälfte des Buches spannend, witzig und informativ war, dass es leider dann aber nachgelassen hat und dass das Buch für mich einige Schwachstellen hat. Trotzdem ließ es sich sehr gut lesen, und der überragende Stil gepaart mit der tollen Ehrlichkeit einer Mutter, ist wirklich hervorzuheben. Ich würde diesem Buch eine Leseempfehlung aussprechen. Trotzdem kann ich vom Gefühl her leider nur 3 Schmetterlinge vergeben, weil es mir einfach irgendwann zu langweilig wurde, und weil mir wirklich etwas „drumherum“ gefehlt hat.
Das sind aber GUTE 3 Schmetterlinge. 


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