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Wenn die Realität plötzlich zuschlägt


Gestern um exakt diese Zeit schloss die Leipziger Buchmesse zum letzten Mal in 2018 die Türen hinter uns. Erst waren wir geputscht von Kälte und Adrenalin, weil keiner wusste welche Züge fahren werden, wann wir wo sein werden und wie und wann wir nach hause kommen.
Aber kaum haben wir es uns auf unseren reservierten Plätzen im ICE bequem gemacht und uns häuslich eingerichtet, tröpfelten schon die Erkenntnis durch. Das wars wirklich... Es wird mindestens 6,5 Monate dauern, bis wir wieder alle vereint sind, bis wir wieder an einem Messestand stehen, und bis dieses Feeling zurück kommt.

Messe ist einfach immer viel zu schnell vorbei. 



So eine Buchmesse ist einfach immer etwas ganz besonderes, besonders wenn man nicht erst seit gestern dabei ist. Man trifft im Laufe der Jahre so viele Bekannte, es entwickeln sich Freundschaften. Manche sind reine Buchmesse Freundschaften, andere sind Freundschaften übers ganze Jahr, Freundschaften fürs Leben, auch über Bücher hinaus. Keine von ihnen ist mehr oder weniger wert.
Und manche Menschen werden darüber hinaus sogar zur Messe-Familie, ein ganz besonderes Band.

Betritt man die "heiligen Hallen", so fühlt man sich einfach sofort zuhause. Man atmet andere Luft, man ist frei und losgelöst. Alltag existiert nicht, man ist einfach nur dort, im hier und jetzt. Man lebt, man atmet. Die einen Hetzen von Termin zu Termin. Manche wollen möglichst viele Verlage besuchen und sich dort über Vorschauen austauschen, andere rennen von Blogger-Event zu Blogger-Event. Manche betreuen Stände, andere verabreden sich mit ganz vielen Leuten. Es gibt Blogger, die auch Cosplayer sind und die Messe hauptsächlich damit verbringen. Manche lassen sich aber auch einfach nur treiben und gehen ganz planlos und unvoreingenommen an die Messe heran. Die Möglichkeiten auf Buchmessen sind einfach grenzenlos, und die Intensionen einfach völlig verschieden. Aber eins haben wir alle gemeinsam: Die Liebe zur Messe. Das freie Leben auf einer Messe.

Auf einer Messe schreit keiner "Mama, mach mal, Mama kannst du mal." Kein Chef kommt und sagt "Das hier muss bis heute mittag fertig sein." Keine Spülmaschine piept um ausgeräumt zu werden, keine Waschmaschine schreit danach gefüttert zu werden. Kurzum: Man hat einfach keinen Alltag. Es ist als hätte man die Tür nach Narnia durchschritten und wäre nun fernab von allem nur noch mit sich selbst.

Und genau das liebe ich so sehr. 

Man ist nahezu rund um die Uhr zusammen, man kann tun und lassen was man will. Man muss keine Rechenschaft ablegen, man muss nur man selbst sein.

Aber das bedeutet dann leider auch den traurigen Umkehrschluss, dass man nach der Messe einfach in ein tiefes Loch fällt. Kaum hat man den Rucksack entpackt, die Bücher ins Regal geräumt, so wird einem bewusst, dass man wieder allein ist.

Keiner da, der einen anschreit.
Keiner da, der Sekt ausschenkt.
Kein Crepe Stand.
Kein schrilles Lachen.
Keine Verabredungen.

Kaum ist man wieder zuhause, ist alles so still. Keiner der kuschelt, kein Gewusel, niemand der auf einen wartet.

Natürlich habe ich auch eine reale Familie, und bin auch sehr froh darüber. Ich bin also nicht allein, und es kuschelt auch wer mit mir. Aber dennoch... Das ist einfach was ganz anderes. Die ersten 2-3 Tage nach der Messe brauchen wir einfach immer wieder, um runterzukommen, um zu leiden, um dem ganzen hinterher zu trauern und um zu realisieren, dass wir die Messefamilie jetzt eine ganze Weile wieder nicht sehen werden.

Ich vermisse euch alle tierisch, und ich zähle die Tage, bis wir uns alle wieder in die Arme schließen können!

Bis dahin halten wir uns mit zahlreichen Messeberichten über Wasser, tauchen ab in gute Geschichten und essen irgendwas fettiges, um der Seele etwas Balsam zu geben.

Für alle denen es genauso geht: Kopf hoch, in ein paar Tagen hat die Realität uns zurück erobert. Gönnt euch das runterkommen. Auch das gehört zur Messe, und auch das ist wirklich wichtig!

hat jemand den ultimativen Messeblues-Tipp? Oder gehts euch wenigstens genauso? :)


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