2. Januar 2014

*Rezension* "Bob, der Streuner" von James Bowen

"Als ich ihn fand - oder er mich, war ich ein Heroinabhängiger auf medizinisch betreutem Entzug, und ich lebte von der Hand in den Mund. Ich war Ende zwanzig, aber mein Leben hatte weder ein Ziel noch einen Grund. Ich hatte den Kontakt zu meiner Familie verloren und besaß kaum einen Freund auf dieser Welt. Um es gelinde auszudrücken, mein Leben war ein Albtraum." (ebook S. 187)

James' Leben ist eigentlich ziemlich am Ende. Er ist im Drogenprogramm, wohnt in einer zugeteilten Wohnung für Obdachlose, tausende von Kilometern von seiner Familie entfernt, von denen er sich allerdings ohnehin abgewandt hat. 
Sein Alltag besteht aus Straßenmusik und Selbstmitleid. 
Bis ihm Bob begegnet, ein streunender Kater der offensichtlich ein großes Interesse an James hat. Denn auch nachdem der verletzte Kater wieder dazu in der Lage wäre für sich selbst zu sorgen, macht er keine Anstalten James wieder zu verlassen. 

Egal was James versucht, er wird den Kater nicht mehr los. So nimmt er sein Schicksal als Katzen-Papa an und verändert damit nicht nur seine Anforderung an das tägliche Mindestkapital was er zum Überleben braucht, sondern auch gleich seinen ganzen Lebensmut. Sein Leben hat ab nun einen Sinn. 


Die erste Hälfte des Buches fand ich noch äußerst amüsant, wie Bob James immerzu hinterherlief und dieser den Kater einfach nicht loswurde. 
Wir erfahren was James widerfahren ist in seinem Leben, weshalb er nun da steht, wo er nunmal steht. 
Die zweite Hälfte wurde dann doch recht langweilig. Denn eigentlich passiert in der Geschichte kaum etwas. James steht morgens auf, macht Straßenmusik, geht abends einkaufen und dann nach hause. Und überall ist Bob dabei. Es gibt Rückblicke auf die Vergangenheit, die aber auch nicht überaus interessant sind, und es gibt minimale Anflüge von "jetzt passiert was", die dann aber auch ganz schnell wieder vorbei waren - ohne das wirklich etwas spannendes passiert wäre. 
Doch dann habe ich herausgefunden, dass dies nicht einfach eine "uninteressante Katzengeschichte" ist, sondern eine wahre Geschichte. James und Bob gibt es wirklich, und zwar nicht als Autoren die sich etwas ausgedacht haben, sondern James steht wirklich jeden Tag an dieser Ecke und spielt mit seiner Gitarre und Bob sitzt wirklich mit dem auf dem Cover abgebildeten Schal daneben und leistet seinem Herrchen Gesellschaft. 
Dieser Fakt hat in meiner weiteren Wahrnehmung dieses Buches wirklich einiges verändert. Denn von da an kam mir das ganze realer vor, spannender. Ich habe es wirklich genossen und mir fest vorgenommen - wenn ich irgendwann mal dort hin komme, will ich die beiden unbedingt sehen. Sie haben mein Herz berührt. 

"Zweifellos war er ein wunderschöner Kater, aber das war nicht der Grund für seine Anziehungskraft. Es war seine Aura, diese Mischung aus Charme gepaart mit ruhiger Ausgeglichenheit, die Leute in Scharen anzog. Allein durch seine Anwesenheit schenkte er den Menschen einen kleinen Glücksmoment." (ebook S. 58)

Die Sprache ist sehr einfach. Man darf nicht vergessen, dass hier ein Obdachloser ohne irgendwelche Form von großer Ausbildung ein Buch geschrieben hat - und ich finde das allein sollte man schon würdigen. 
Der Stil lässt sich leicht lesen, allerdings ermüdet man evtl. auch schnell, den wie oben schon erwähnt, passiert nicht allzuviel im Geschehen. 

Letztlich ist es eine Geschichte, die einen wirklich nur berührt, wenn man sich auf die Umstände einlassen kann. 

Ich habe oftmals gelacht, wenn Bob wieder einen seiner "Ausraster" bekommen hat, wie "ein Berserker" durch die Wohnung gerannt ist oder sonstiges. 
Ich mochte die Art, wie James das hier auch in absolut gebräuchlicher Umgangssprache zur Schau gestellt hat. 
Ich mochte auch James und Bob. Ich konnte mir haargenau vorstellen, wie Bob sich verhielt und auch James war eine Person, die ich mir vorstellen konnte und mit der ich mitfühlen konnte, wenn er einmal Ängste oder auch den ultimativen Glücksmoment erlebte.

Ich ziehe für die teilweise lange Durststrecke einen Stern ab, aber für alles drum herum gibt es von mir 4/5 Schmetterlingen




Kommentare:

  1. Hallo,
    eine tolle und gut argumentierte Rezension :)
    Für mich ist "Bob, der Streuner" eins meiner Highlights aus 2013, ich wusste aber schon vorher das es eher eine Biographie ist als eine Erzählung :)
    Und ich besitze obendrauf auch noch einen roten Kater seit letzten Juli *schmunzel*
    Der Erzählstil ist wirklich sehr einfach aber das störte mich ebenfalls nicht :)
    Wusstest Du das es eine Fortsetzung geben soll? Wirst Du sie dann auch lesen?
    Liebe Grüße und ein frohes neues Jahr,
    Ela

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  2. Hallo Ela,
    vielen Dank für deinen tollen Kommentar!
    Ich bin durch meine liebe Kollegin auf dieses Buch gekommen, die selbst auch einen roten Kater besitzt. Aber das es eine Art Biografie ist, hatte sie nicht erwähnt. Ich finde es aber immer wieder toll, solche Details während des Lesens selbst herauszufinden :)
    Gestört hat mich der einfache Stil auch überhaupt nicht, ich wollte es aber erwähnen, falls es jemanden gibt, der sich dieses Buch vielleicht noch kaufen möchte. Das liegt ja nicht jedem.

    Ja, die Fortsetzung erscheint glaube ich im März oder April, das habe ich dann auch später gesehen. Es steht nicht oben auf meiner Wunschliste, wenn ich aber ein bisschen Luft habe, dann werde ich es sicher zwischendurch mal lesen.

    Dir auch ein frohes neues Jahr!

    LG
    Summi

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  3. Echt so früh kommt die schon raus? Das wusste ich nicht :)
    Ich hab auf Facebook schon extra die Fanpage geliked, ich find die Fotos uns Postings von den beiden so toll :)
    Stimmt, nicht jeder kommt mit dem Schreibstil klar :)
    LG Ela

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  4. oh danke für den Tipp - die werde ich auch sofort liken :) Will doch wissen was mit "meinen zwei Jungs" so passiert :)

    Das Buch erscheint am 13.März!

    LG

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  5. Schöne Rezension. Ich freue mich auch schon auf das 2. Buch. Monty, mein roter Kater, bestimmt auch.
    LG Gerlinde

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