16. Januar 2014

*Rezension* Es wird keine Helden geben von Anna Seidel



** Achtung - kann Spoiler enthalten **





Miriam ist gerade mal 15 Jahre alt, als in ihrer Schule ein Junge Amok läuft. Er erschießt insgesamt 7 Menschen, darunter auch Miriams Freund Tobi.
Danach ist nichts mehr wie es war und Miriam kämpft sich mit Höhen und Tiefen zurück ins Leben.

Dach Buch ließ sich locker und zügig lesen, was aber nicht auf die spannende Geschichte sondern auf den einfachen Schreibstil zurückzuführen ist. Die Autorin hat sich auf kurze Sätze mit wenigen Wörtern in einer sehr einfachen Sprache beschränkt. Das hatte leider auch zur Folge, dass die Sätze sehr emotionslos wirkten.
Oft beschrieb die Protagonistin die selben Szenen und Gefühle immer und immer wieder, doch mit jeder weiteren Erwähnung distanzierte ich mich mehr von dem Buch. Ich habe die Gefühle gelesen, konnte sie aber aufgrund der fehlenden Emotionalität nicht nachempfinden. Für mich stand das was die Darsteller angaben zu empfinden und ihr Verhalten in absolutem Widerspruch.
Emotionslos war ebenfalls Miriams Verhalten. Sie ist einer der wenigen, die zwar absolut schockiert ist, aber noch in der Lage ist klar zu denken. Dafür ist ihr alles egal, was die anderen machen. Ihre Freunde gehen den Bach hinunter, machen sich Vorwürfe, zerbrechen an den Geschehnissen - und Miriam fährt lachend in Urlaub, betrinkt sich mit ihrer Mutter bei Pizza und macht sich Gedanken darüber, ob man an der Nordsee Pumps tragen kann...

Miriam wirkt oft sehr arrogant. Viele ihrer Handlungen konnte ich nicht nachvollziehen.
Die Autorin erwähnt sehr oft in direkter Ansprache an den Leser, dass man sich nicht vorstellen kann, wie so etwas ist. Dass man dies nur kann, wenn man sowas erlebt hat. Dass alles was man aus TV und Presse weiß, nicht der Realität entspricht.
Ich mag es nicht, wenn der Leser von einem Autor als so dumm dargestellt wird, obwohl der Autor selbst nur eine fiktive Geschichte erzählt, die er selbst nicht erlebt hat.

Wenn man dieses Buch liest, erwartet man eine Geschichte über einen Amoklauf.
Leider ist das eigentliche Geschehen in nur 18 Seiten abgehandelt und darauf folgt dann auch nicht mehr viel. Angepriesen wird es mit der Verarbeitung und dem "Was danach passiert" - doch leider kratzt auch hier die Autorin nur an den Themen und vertieft die Schwerpunkte nicht.
Ich hatte ganz oft folgende Frage im Kopf:
Wie kann man soviele Wörter schreiben, ohne wirklich was zu sagen?

Vielleicht bin ich durch die Blogger-Aktion und den daraus resultierenden zahlreichen positiven Meinungen mit einer zu hohen Erwartungshaltung an dieses Buch gegangen. Aber mich konnte es leider überhaupt nicht packen.

Ich habe lange überlegt ob ich 1 oder 2 Schmetterlinge vergebe, aber ich habe mich nun doch für 2 entschieden, da nicht alles schlecht war und man auch nicht vergessen darf, wie jung die Autorin ist.





Kommentare:

  1. Huhu,

    ich habe das Buch auch gelesen und denke deine Kritik ist auf jeden Fall berechtigt. Allerdings muss ich schon sagen, dass mich die Beschreibung des Gefühlsleben von Miriam und ihre inneren Konflikte schon beeindruckt hat. Vielleicht hast du tatsächlich etwas anderes erwartet =). Ich hatte keine konkrete Erwartung und konnte mich daher völlig drauf einlassen.

    LG
    Anja

    AntwortenLöschen
  2. Naja ich habe allein schon eine ganz andere Story erwaret... Eigentlich kann ich mich gut auf andere Dinge dann doch einlassen, aber hier ist es mir leider nicht gelungen. Eine Blogger-Freundin sagte "das Buch konnte mich nicht abholen" - ich denke das trifft auch bei mir zu. Wobei ich jetzt keine "Fehler" bei mir suche warum mir das Buch nicht gefallen hat.
    Nicht jedem kann jedes Buch gefallen - und ich bin halt ehrlich. Ich vergebe keine Freundschafts-Sterne oder so.

    LG

    AntwortenLöschen
  3. Hey :)

    Da ich letzter Zeit eher wirklich nicht so aktiv als Bloggerin war (schande über mich) habe ich nur flüchtig was von diesem Buch gehört. Wie du es so schilderst wäre es genau so ein Buch das mich wieder in meine Leseflaute befördert xD Schade eigentlich, da es doch ein recht interessantes Thema ist und schade, dass die Hauptperson so oberflächlich ist. Kann ich überhaupt nicht leiden xD Oberflächlichkeit und diese Scheißegal Haltung solang es nur einem selbst gut geht :)

    Liebe Grüße

    Alisia

    Ps. ich veranstalte gerade ein Gewinnspiel auf meinem Blog :) Immerhin kannst auch du bestimmt etwas mit 10€ anfangen von Amazon xD ;)

    AntwortenLöschen
  4. Ich stehe zu dem Buch ähnlich wie du. Den Hype konnte ich auch nie nachvollziehen. Vielleicht erschien mir die Umsetztung noch umso schlechter, da ich bereits „Die Hassliste“ von Jennifer Brwon gelesen hatte, in dem, meine Meinung nach, das Thema Amoklauf, Verarbeitung und Schuld weitaus besser umgesetzt wird.

    Trotzdem schöne Rezension =)
    Liebe Grüße, Sandra von Miss Page-Turner

    AntwortenLöschen