23. März 2014

*Rezension* der Anfang von Danach - von Jennifer Castle





Laurels Familie kommt bei einem Autounfall ums Leben. Mit einem Moment sind ihre Eltern und ihr Bruder tot und sie muss versuchen, mit diesem Schicksalsschlag klar zu kommen. 
Auch David hat bei diesem Unfall seine Mutter verloren und sein Vater befindet sich im vegetativen Zustand. 
Die beiden teilen eine gemeinsame Vergangenheit, haben sich jedoch im Laufe ihres Lebens auseinandergelebt. 
Zwischen Trauer und Wut, den Schuldzuweisungen und dem normalen Alltag finden die beiden wieder zusammen und versuchen gemeinsam - jedoch jeder auf seine eigene Weise - mit allem klarzukommen. 

Nach dem Unfall verfolgt Laurel erstmal eine klare Linie - Verdrängung. Sie ist nicht bereit Hilfe anzunehmen, versucht zu vergessen und stürzt sich auf Biegen und Brechen zurück in den normalen Alltag. Für Trauer hat sie keine Zeit und erlaubt sich auch nicht, die Zeit zu nehmen. Doch ihr Umfeld packt sie mit Samthandschuhen an, spricht immer wieder von diesem Unfall, ohne wirklich was zu sagen. 
Obwohl sie im Laufe dieses Buches lernt Hilfe anzunehmen und beginnt den Unfall zu verarbeiten, hatte ich während der gesamten Geschichte nicht den Eindruck, als wöllte sie wirklich verarbeiten. Die Verdrängung ist immer gegenwärtig. Ich bin mir allerdings leider nicht sicher, ob dies auch so rüber kommen sollte. Denn sie beginnt eine Therapie, sie findet langsam aber stetig zurück in ihren Alltag und sie erlaubt sich auch Dinge abzusagen, weil sie trauert. Dennoch ist sie für meinen Geschmack etwas zu weit im Leben drin, handelt zu sehr in der Normalität. Dies wird auch immer wieder damit unterstrichen, dass sie selbst betont, dass sie den Unfall oft nicht erwähnen will. Ich kann leider nicht sagen, was das Buch beabsichtigte zu vermitteln, sondern nur das, was ich empfunden habe. Und das war die allgegenwärtige Verdrängung und ein normales Leben um jeden Preis. 
Erst ganz am Ende gibt es eine Szene, in der ich das Gefühl hatte, dass Laurel es nun endlich begriffen hat. Das sie nun anfängt zu akzeptieren. 

Laurel ist sehr undurchsichtig beschrieben. Wie oben schon beschrieben spricht sie sich selbst nicht das zu, was man von einer Jugendlichen erwarten würde, die gerade ihre komplette Familie verloren hat. Allerdings war ich auch nie in der Situation und kann daher nicht sagen, was zu tun wäre, oder wie ich die Sache handhaben würde. 
Über ihre Person und ihr Leben DAVOR erfahren wir leider sehr wenig. Über ihre Vorlieben und Perspektiven ist sie sich selbst wohl nicht ganz im Klaren. 

Nana wird als eine sehr liebevolle und fürsorgliche Großmutter beschrieben. Man kann sie einfach auch nur mögen. Hin und wieder bricht die Trauer aus ihr hervor, denn natürlich hat auch sie eine Familie verloren. Dennoch hat sie die Situation im Griff und nimmt ihre neue Verantwortung an, ohne sich selbst dabei zu verlieren. 

David hingegen geht ganz anders mit seiner Trauer um. Er flieht vor allem und versucht sich abzulenken. Er ist der einzige, von dem ich ein ganz klares Bild vor Augen hatte beim Lesen. Er kommt ein wenig zottelig rüber, sehr verschlossen und mit einer tiefen inneren Wut auf sich und sein Leben. Auf das was passiert ist, aber auch auf das, was er selbst ist. Er weiß, dass seine Art zu trauern nicht die richtige ist, kann aber nicht so recht aus seiner Haut. 

Auch in diesem Buch finden wir wie in vielen anderen eine "Dreiecksbeziehung" - eine Frau, die sich zwischen zwei Männern entscheiden muss. Gott sei dank war diese aber nur im Hintergrund präsent und wurde nicht unnötig thematisiert. Zudem wird sie für meinen Geschmack sehr gut und ehrlich aufgelöst. Alles andere wäre bei dieser Thematik des Buches auch fehl am Platz gewesen. 

Der Schreibstil ist nicht typisch für ein Jugendbuch, wobei ich mir auch nicht sicher bin, ob es wirklich ein Jugendbuch ist. Die Protagonisten sind zwar jugendlich und um diese dreht es sich hauptsächlich. Doch sie tun nicht die typisch naiven Dinge. Das hat mir sehr gut gefallen. Die Worte sind sehr gut gewählt und die Autorin hat mich schon auf den ersten Seiten in ihr Buch und die Geschichte gezogen, so dass ich nicht mehr aufhören wollte zu lesen und auch recht schnell mit dem Buch fertig war. Das Hauptthema wird nie aus den Augen verloren, aber auch nicht unrealistisch dargestellt. Es ist genau die richtige Mischung von allem vorhanden. 

Bezüglich der Orte hatte ich immer die Kulisse aus den "Ami-Filmen" vor Augen. Eine Siedlung mit schönen Einfamilienhäusern, grünen Vorgärten. Ein wenig wie bei "Desperate Housewifes" - um euch mal an meinen Bildern teilhaben zu lassen. Das fand ich sehr gut gewählt. Es wird auch mal kurz thematisiert, dass nach aussen hin alles perfekt wirkt - wie in einem Film. Doch dass hinter jeder dieser Türen eine Familie steckt, in der es Trauer und Wut gibt, in der Eltern sich nicht mehr lieben oder Kinder von alkoholsüchtigen Vätern geschlagen werden. 
Das ganze verleiht dem Buch die nötige Schärfe der Thematik, ohne bedrückend zu wirken. 

Sehr gut gefallen hat mir die Gestaltung des Buches. Auch hier haben wir - wie aktuell scheinbar in Mode - einen durchsichtigen Schutzumschlag. Dieser Umschlag gibt einen kurzen Blick auf ein in grautönen gehaltenes Mädchen. Der Schutzumschlag selbst ist gestaltet wie eine Traueranzeige in der Zeitung, was perfekt zu der Thematik passt. 
Auch dass wir keinen richtigen Klappentext, sondern nur einen Auszug einer Szene aus den ersten Seiten haben, fand ich gut. Es ist wie eine Miniaturausgabe einer Leseprobe. Und das sagt meist doch viel mehr aus, als eine Zusammenfassung in der häufig auch schon zu viel verraten wird. 

Ich habe lange überlegt, ob ich dem Buch 3 oder 4 Sterne geben soll. Ich mochte die Orte, die Darsteller und den Schreibstil wirklich gerne. Die Autorin hat eine tolle Art zu erzählen, den Leser in ihren Bann zu ziehen und von allem ganz genau die richtige Portion anzuwenden, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. 
Dennoch war die Geschichte an sich sehr fad. Ich hätte da doch mehr erwartet. Auch im Nachhinein bin ich irgendwie nicht ganz zufrieden gestellt, das Ende hinterlässt eine gewisse Leere in mir, obwohl alle Themenstränge abgeschlossen sind. 

Da ich das Buch aber so schnell gelesen habe und es mir eigentlich auch von seinem Drumherum sehr gut gefallen hat, vergebe ich 4 Schmetterlinge. 

Ich bedanke mich herzlich bei Carlsen für dieses Rezensionsexemplar





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